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Solarstrom verkaufen statt verschenken: So funktioniert meine Strom-Community

20. Sept.
5 Min. Lesezeit

Für deinen Solarstrom bekommst du keine 8 Cent mehr, und Netzstrom kaufst du für über 30 Cent zurück. Es gibt inzwischen einen anderen Weg: Ich kann meinen Solarstrom verkaufen, direkt an andere Haushalte. Den Preis lege ich selbst fest, nicht die Börse und nicht mein Netzbetreiber.


Meine neue Anlage hat 24,7 kWp und bekommt 7,08 Cent Einspeisevergütung pro kWh. In der Community gehe ich mit 10 Cent rein. Das sind knapp 3 Cent oder gut 40 % mehr für denselben Strom vom gleichen Dach.


Was am Jahresende rauskommt, hängt aber an einer zweiten Zahl, die die meisten falsch einschätzen: wie viel du überhaupt einspeist. Dazu zeige ich dir meine echten Zahlen.


Solarstrom verkaufen statt verschenken: So funktioniert meine Strom-Community



Transparenz vorweg: Das ist mein eigenes Projekt


Die Strom-Community habe ich zusammen mit WeShare Energy gegründet und die Gründung aus eigener Tasche bezahlt. Niemand zahlt mir etwas dafür, dass ich darüber berichte. Aber es ist mein Projekt, und das sollst du wissen. Deshalb zeige ich dir auch, wo es sich nicht lohnt.


Die Idee kam von euch: Kann ich meinen Strom nicht an jemand anderen verkaufen, statt ihn fast umsonst abzugeben? Ich bin selbst mit zwei Profilen dabei, als Erzeuger und als Verbraucher.


So kannst du Solarstrom verkaufen, ohne eigene Leitung


Physikalisch fließt mein Strom ins Netz wie immer. Abgerechnet wird er mit jemandem, mit dem ich mich vorher geeinigt habe. Gehandelt wird in ganz Deutschland, nicht nur im eigenen Netzgebiet. Mit dem neuen Energy-Sharing-Gesetz hat das nichts zu tun.


Du kannst Strom beziehen, verkaufen oder beides. Mitmachen können Haushalte, Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft. Ein eigenes Dach brauchst du nicht: Mieter oder Haushalte mit Norddach oder Denkmalschutz sind als Abnehmer dabei. Ohne Abnehmer funktioniert keine Community.


Verliere ich meine Einspeisevergütung?


Nein. Deine EEG-Vergütung bekommst du weiter von deinem Netzbetreiber. Für den Strom, den du in der Community teurer verkaufst, bekommst du die Differenz zusätzlich. Bei mir laufen die 7,08 Cent weiter, oben drauf kommen knapp 3 Cent. Deine Förderung bleibt dein Sicherheitsnetz.


Zu welchem Preis du deinen Solarstrom verkaufen kannst


Im Preisrechner stellst du deinen Verkaufspreis per Regler selbst ein. Nach unten ist die Grenze deine eigene Einspeisevergütung. Nach oben muss der Käufer mit allen Netzentgelten und Abgaben unter seinem normalen Tarif bleiben. Je niedriger deine Vergütung, desto größer dein Spielraum.


Für meine alte Anlage bekomme ich 10,45 Cent, dort verkaufe ich für 11,5 Cent. Bei der neuen Anlage könnte ich mehr als 10 Cent verlangen. Mache ich aber nicht, weil es für die andere Seite attraktiv bleiben muss. Ein Preis, den keiner nimmt, bringt nichts.


Der Käufer zahlt in meinem Beispiel 24,5 Cent pro kWh. Davon sind 10 Cent mein Preis und 14,5 Cent Netzentgelte, Abgaben und Steuern. Das ist bei jedem Stromtarif in Deutschland so.


Die echten Kosten und meine Faustformel


Den Grundpreis für deinen Strombezug zahlst du bei jedem Stromvertrag, der gehört in den Tarifvergleich. Wirklich neu dazu kommt wenig:


Position

Kosten

Grundpreis Einspeisung

50 Cent im Monat, 6 € im Jahr

Lesekopf

89 € einmalig oder 3,90 € im Monat

Zusammen mit Miet-Lesekopf

rund 53 € im Jahr


Die Faustformel: 53 € geteilt durch deinen Mehrerlös pro kWh ergibt die Menge, ab der es sich trägt. Bei meiner neuen Anlage mit 2,92 Cent Differenz sind das rund 1.800 kWh. Bei der alten Anlage mit 1,05 Cent schon rund 5.000 kWh.


Zahlt der Käufer drauf?


Nein. Ich bekomme fürs Einspeisen 7 Cent, der Nachbar zahlt für Netzstrom über 30. Diese Spanne teilen wir jetzt auf. Als Verbraucher siehst du, von wem dein Strom kommt, und sortierst deine Erzeuger selbst.


Liefert die Community nicht genug, springt zertifizierter Ökostrom ein. Dessen Preis ist die Obergrenze, bei mir 27,23 Cent. Bei 50 % Community-Anteil liegt der voraussichtliche Preis bei 24,68 Cent. Dazu kommt ein regional unterschiedlicher Grundpreis, bei mir etwa 20,55 € im Monat. Gib deshalb deine eigene Postleitzahl im Rechner ein.


Kommst du vom Grundversorger (bei mir 29,63 Cent und 18,73 € Grundpreis), sparst du bei 3.500 kWh je nach Community-Anteil 60 bis 150 € im Jahr. Hast du schon einen günstigen Tarif mit rund 35 Cent inklusive Grundgebühr, liegt die Schwelle zwischen 2.400 und 3.200 kWh.


Ehrlich: In meinem ersten, angefangenen Abrechnungsmonat war der Reststrom mit 19,79 Cent günstiger als der Community-Strom mit 20,59 Cent. Der Community-Preis hängt davon ab, was der Erzeuger einstellt. Schau also genau, welchen Preis du akzeptierst.


Was du zum Mitmachen brauchst


Einen digitalen Stromzähler (ein alter Ferraris-Zähler mit Drehscheibe geht nicht) und einen Lesekopf: den von WeShare Energy mit Steckdose und WLAN oder das iometer mit Batterie. Beide kosten 89 € oder 3,90 € im Monat. Die Mitgliedschaft ist monatlich kündbar, du kannst es also einfach ausprobieren.


Achte bei der Anmeldung oben links auf das Sonne-Frei-Haus-Logo. Am sichersten gehst du direkt über den Link zur Sonne Frei Haus Strom-Community.


Meine echten Zahlen: Ich speise weniger ein, als du denkst


Meine alte Anlage hat 8,75 kWp, Südwest, teilweise verschattet. 2024 hat sie 5.683 kWh erzeugt, eingespeist habe ich 2.269 kWh. 2025 hat das Dach rund 900 kWh mehr produziert, eingespeist habe ich aber nur 1.703 kWh. Wärmepumpe, Speicher und E-Auto nehmen den Strom vorher weg.


Nach der Faustformel bräuchte ich dort rund 5.000 kWh Einspeisung, ich habe ein Drittel. Unterm Strich sind das keine 20 € im Jahr bei 53 € Kosten. Das ist kein Geschäft, das ist mein Testkonto.


Bei der neuen Anlage ist der Abstand dreimal so groß. Ein volles Jahr habe ich aber noch nicht, deshalb nenne ich keine Jahreszahl. Die Lehre: Dein Eigenverbrauch wächst nicht mit der Anlage, nur der Überschuss.


Welcher der vier Fälle bist du?


Fall 1: PV-Anlage, verkaufen und beziehen. Mein Fall und der einzige, in dem beide Hebel greifen.


Fall 2: Kein eigenes Dach, nur beziehen. Solide, aber nicht sensationell, und dein einziger Weg mitzumachen.


Fall 3: Nur einspeisen, Strom weiter woanders kaufen. Das geht für rund 53 € im Jahr. Bist du beim Grundversorger, ist der Hebel beim Bezug aber oft größer.


Fall 4: Anlage aus der EEG-Förderung gefallen. Dann wird es eine echte Direktvermarktung mit 0,8 Cent Vermarktungsentgelt pro kWh, 52,67 € Dienstleistungsentgelt im Monat und einmalig 390 € Einrichtung. Bei 5 Cent Spanne brauchst du rund 15.000 kWh Einspeisung im Jahr, nur für das Dienstleistungsentgelt. Für eine Hausanlage mit 5 oder 10 kWp ist das zu viel. Ob es für kleine Anlagen eine andere Lösung gibt, kläre ich gerade.


Für wen es sich nicht lohnt


Mit Ferraris-Zähler, den der Netzbetreiber nicht tauscht, geht es nicht. Hast du eine alte Vergütung von 12 Cent und mehr, rechne genau nach. Mit großem Speicher und kaum Einspeisung lass es. Und die Netzentgelte bleiben voll drauf: Der Vorteil ist real, liegt aber im zweistelligen Prozentbereich, nicht bei 50 %.


Fazit: Solarstrom verkaufen lohnt sich, wenn genug übrig bleibt


Du behältst deine Einspeisevergütung, legst etwas oben drauf und bist monatlich flexibel. Ob es sich rechnet, entscheidet nicht die Anlagengröße, sondern dein Überschuss. Mit der Faustformel prüfst du das in zwei Minuten. Wie viel du lieber selbst speicherst, hängt an der Speichergröße. Die Speicher-Checkliste findest du kostenlos auf meiner Wissensplattform.


Häufige Fragen


Kann ich Solarstrom verkaufen und die EEG-Vergütung behalten?


Ja. Die Vergütung zahlt dein Netzbetreiber weiter. Den Mehrerlös bekommst du zusätzlich.


Was passiert, wenn niemand meinen Strom abnimmt?


Du speist normal ein und bekommst deine Vergütung. Du verlierst nichts, du verdienst nur nichts zusätzlich.


Brauche ich eine eigene PV-Anlage?


Nein. Mieter, Haushalte ohne geeignetes Dach und Betriebe können als Abnehmer mitmachen.


Ab wann lohnt sich das Verkaufen?


Teile rund 53 € im Jahr durch deinen Mehrerlös pro kWh. Bei 2,92 Cent Differenz sind es rund 1.800 kWh.


Bin ich lange gebunden?


Nein, die Mitgliedschaft ist monatlich kündbar.


So bekommst du deine Beratung und dein unverbindliches Photovoltaik-Angebot


Du hast noch keine eigene Anlage und willst selbst Erzeuger werden? Über mein Netzwerk kannst du unverbindlich ein Angebot anfordern, ohne Verkaufsdruck. Die Fachbetriebe aus dem Netzwerk beraten dich und erstellen dir ein Angebot, das zu deinem Haus passt.



Sonnige Grüße, Nils

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