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Photovoltaik-Amortisation: Dieser Rechentrick täuscht dich bei PV-Angeboten

  • 24. März
  • 3 Min. Lesezeit

Photovoltaik-Amortisation in nur 8 Jahren – klingt verlockend. Aber viele Wirtschaftlichkeitsrechnungen in PV-Angeboten basieren auf einer Annahme, die das Ergebnis massiv verzerrt: einer jährlichen Strompreissteigerung von 2–3 %. Ich zeige dir, wie dieser Prozentrick funktioniert und warum du unbedingt eine konservative Gegenrechnung machen solltest.


Schließlich geht es bei einer PV-Anlage nicht nur um Klimaschutz, sondern für viele auch um eine wirtschaftliche Investition. Damit die Entscheidung auf ehrlichen Zahlen basiert, schaue ich mir heute genau an, wo die Falle im Angebot stecken kann.


Das komplette Video ansehen:


Photovoltaik-Amortisation: Dieser Rechentrick täuscht oft


Warum verfälscht die angenommene Strompreissteigerung die Amortisationsrechnung so stark?


In vielen PV-Angeboten wird standardmäßig eine jährliche Strompreissteigerung von 2–3 % angesetzt. Das klingt harmlos – ist es aber nicht, weil der Zinseszinseffekt greift. Ausgangspunkt: 35 Cent pro kWh. 3 % im ersten Jahr sind 1,05 Cent Aufschlag. Im zweiten Jahr werden 3 % auf 36,05 Cent berechnet, also 1,08 Cent mehr. So weiter und so fort.


Das Ergebnis nach 20 Jahren: Aus 35 Cent werden plötzlich mehr als 60 Cent pro kWh. Je höher der angenommene zukünftige Strompreis, desto größer erscheint die Einsparung durch die PV-Anlage – und desto kürzer wirkt die Amortisationszeit auf dem Papier. Und da rechnet sich jede Anlage, egal wie teuer.


Jahr

Strompreis bei 3 % Steigerung/Jahr

Heute

35 Cent/kWh

In 10 Jahren

≈ 47 Cent/kWh

In 20 Jahren

≈ 63 Cent/kWh


Wie sehen die tatsächlichen Strompreise in den letzten Jahren aus?


Laut BDEW lagen die Haushaltspreise 2021 noch bei rund 32,8 Cent pro kWh. 2022 stiegen sie in der Energiekrise drastisch. Danach – und das ist der entscheidende Punkt – gingen sie wieder runter. Aktuell findet man auf Vergleichsportalen in vielen Regionen Deutschlands wieder Tarife um 25 Cent pro kWh, teilweise darunter.


Die letzten zwei Jahre zeigen also deutlich: Eine Annahme von 3 % jährlicher Steigerung trifft die Realität nicht. Wer Angebote auf Basis dieser Preisprognose bewertet, bekommt eine strukturell optimistische Amortisationsrechnung – das finde ich schlicht irreführend.


Was passiert mit der Amortisation bei 0 % Strompreissteigerung?


Ich stelle bei Angeboten immer dieselbe Gegenfrage: Wie sieht die Rechnung aus, wenn der Strompreis gleich bleibt? Eine Anlage, die laut Angebot nach 10 Jahren amortisiert sein soll, kann bei konservativer Annahme plötzlich erst nach 15 oder 18 Jahren wirtschaftlich werden. Das ist ein enormer Unterschied für eine Investition von mehreren zehntausend Euro.


Mein Tipp: Lass dir immer auch eine konservative Rechnung zeigen – mit 0 % Strompreissteigerung. Wenn sich die Anlage selbst dann noch vernünftig rechnet, ist das ein gutes Zeichen für ein solides Angebot.


Welche versteckten Kosten werden in vielen PV-Wirtschaftlichkeitsrechnungen vergessen?


Drei Kostenpunkte werden oft unterschlagen oder nur am Rand erwähnt:


Kostenposten

Hinweis

Wechselrichtertausch

Nach ca. 12–15 Jahren fällig, mehrere 1.000 € – Rücklagenempfehlung: 200 €/Jahr

Wartung

Selten notwendig (keine beweglichen Teile), aber nicht null

Versicherung

Oft über Gebäudeversicherung abgedeckt – kurzer Anruf genügt


Worauf kommt es wirklich an, damit eine PV-Anlage wirtschaftlich ist?


Das größte Einsparpotenzial liegt im verhinderten Netzbezug – nicht in steigenden Strompreisen. Drei Faktoren entscheiden über die Wirtschaftlichkeit:


1. Ein fairer Anlagenpreis (Kosten pro kWp prüfen!) 2. Eine sinnvolle Auslegung der Komponenten – besonders beim Speicher 3. Eine ehrliche Wirtschaftlichkeitsberechnung ohne aggressive Preisprognosen


Gerade Speicher werden in vielen Angeboten großzügig dimensioniert. Ein größerer Speicher erhöht zwar die Eigenverbrauchsquote, erzeugt aber keinen Strom und verteuert die Anlage. Die Amortisationszeit verlängert sich dadurch zusätzlich.


Fazit:


Photovoltaik kann eine sehr sinnvolle Investition sein – finanziell, energetisch und ökologisch. Aber nur, wenn die Rechnung stimmt. Mein klarer Rat: Lass dir immer auch die konservative Variante zeigen (0 % Strompreissteigerung) und prüfe den Anlagenpreis pro kWp. Wenn sich das Projekt dann noch rechnet, spricht das für ein solides Angebot.


Häufige Fragen


Wie berechne ich die Amortisationszeit meiner PV-Anlage selbst?

Teile die Gesamtinvestitionskosten durch die jährliche Einsparung (kWh Eigenverbrauch × aktueller Strompreis). Das ergibt die konservative Amortisationszeit ohne Preissteigerungsannahme.


Sind 3 % Strompreissteigerung pro Jahr realistisch?

Historisch gesehen: mal ja, mal nein. Nach der Energiekrise 2022 sind die Preise wieder deutlich gefallen. Aktuell findet man Tarife um 25 Cent – also tiefer als 2022. Eine dauerhafte 3-%-Steigerung ist keine sichere Annahme.


Wann lohnt sich ein größerer PV-Speicher wirklich?

Wenn der Eigenverbrauch ohne Speicher schon gut optimiert ist und der Restbedarf abends groß ist. Mehr Speicher = mehr Eigenverbrauch, aber auch längere Amortisation – das muß individuell durchgerechnet werden.


Was kostet ein PV-Wechselrichtertausch nach 12–15 Jahren?

Je nach Anlagengröße zwischen 1.000 und 4.000 €. Ich empfehle, ca. 200 € pro Jahr zurückzulegen, um diese Kosten nicht unter den Tisch fallen zu lassen.


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