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E-Auto mit PV laden: Nur 400 bis 500 kWh kamen vom eigenen Dach

6. Aug.
5 Min. Lesezeit

„Mit der eigenen Photovoltaikanlage fährst du dein Elektroauto praktisch umsonst." Diesen Satz hört man überall, und er klingt logisch: Sonne aufs Dach, Strom ins Auto, fertig. Ich habe genau diese Kombination hier im Haus – und wenn du dein E-Auto mit PV laden willst, sind meine echten Zahlen wahrscheinlich unbequemer als jeder Online-Rechner.


Zwei Momente von meinem eigenen Dach, gleiches Haus, gleiches Auto, gleiche Wallbox. Tag 1: Die Sonne knallt, die Anlage macht 5,8 kW, mein E-Golf lädt mit 3,9 kW komplett aus der Sonne, 90 % Autarkie. Sieht perfekt aus.


Tag 2: trüb und Regen. Die Anlage bringt 1,5 kW, das Auto will über 7 kW – und obwohl mein Speicher zu 97 % voll ist, kommen gut 6 kW aus dem Netz. Warum das so ist, zeige ich dir hier an meiner Jahresbilanz.


E-Auto mit PV laden: Nur 400 bis 500 kWh kamen vom eigenen Dach



Mein Setup zur Einordnung


8,75 kWp auf dem Dach, nach Südwesten ausgerichtet und im Westen von einer alten Eiche verschattet. Dazu ein Speicher mit 23 kWh, eine Wärmepumpe und die Wallbox für einen E-Golf mit 34 kWh Akku.


Das ist also kein schön gerechnetes Vorzeige-Süddach, sondern eine ganz normale, eher konservative Anlage. Meine Werte sind, wenn überhaupt, das ehrliche Mittelfeld.


Meine echte Jahresbilanz beim E-Auto laden mit PV


Kennzahl

Wert 2025

PV-Erzeugung

rund 6.600 kWh

Ladestrom Wallbox

2.087 kWh

Autarkie gesamt

knapp 38 %

davon wirklich vom Dach ins Auto

rund 400 bis 500 kWh


Die Autarkie von 38 % gilt für alles zusammen: Haushaltsstrom, Elektroauto und Wärmepumpe. 62 % kommen trotz der nicht ganz kleinen PV-Anlage aus dem Netz. Ein großer Teil davon geht auf die Wärmepumpe – aber auch beim Elektroauto ist der Netzanteil hoch.


Grund 1: Der Hausspeicher lädt dein Auto nicht voll


Viele denken, der Speicher übernimmt nachts das Laden. Tut er nicht. In meinem Speicher stecken 23 kWh, in vielen PV-Haushalten sind eher 10 kWh normal. Im E-Golf sind es 34 kWh, in neueren E-Autos deutlich mehr.


Der Heimspeicher ist beim Laden also schnell leer – und mein Energiemanagement bezieht ihn bewusst nicht immer in den Ladevorgang ein. Deshalb sah man am Anfang: 97 % Speicherstand und trotzdem 6 kW Netzbezug. Was wirklich zählt, ist echter Überschuss direkt vom Dach, genau in dem Moment, in dem das Auto lädt.


Grund 2: Das Auto steht in der besten Sonnenzeit woanders


Wer pendelt, fährt morgens los, wenn die Sonne kommt, und ist abends zurück, wenn sie weg ist. Die Anlage produziert also genau dann am stärksten, wenn das Auto nicht an der Wallbox hängt. Kein Rechner der Welt kennt dein Fahrprofil.


Grund 3: Der Winter – und die Mindestladeleistung


Von November bis Februar ist mein Verbrauchsbalken fast durchgehend orange, also Netzbezug. In den mageren Monaten kommt kaum etwas vom Dach – und ausgerechnet dann frisst das Elektroauto mehr. Statt 16 kWh sind es mit Heizung und kaltem Akku schnell 20 kWh auf 100 km.


Dazu kommt die Mindestladeleistung: Bei dreiphasigen Systemen müssen meist etwa 4 kW Überschuss anliegen, damit überhaupt Überschussladen startet. An einem trüben Novembertag reicht die Leistung geradeso für Haushalt und ein bisschen Speicher. Fürs Auto als letzte Priorität bleibt nichts. Kommt noch eine Wärmepumpe dazu, ist gar nichts mehr übrig – von Tagen unter einer Schneedecke ganz zu schweigen.


Die nüchterne Rechnung mit dem HTW-Unabhängigkeitsrechner


Damit du das auf deine Anlage übertragen kannst, habe ich es mit einem neutralen Werkzeug nachgerechnet. Eine typische 10-kWp-Anlage mit 10 kWh Speicher und 4.000 kWh Haushaltsverbrauch kommt auf rund 81 % Autarkie.


Hängt das Auto mit rund 2.000 kWh dran, steigt der Verbrauch auf 6.000 kWh und die Autarkie fällt auf 72 %. Der Eigenverbrauch wächst dabei nur um etwa 1.080 kWh. Rechnerisch deckt die Anlage also etwa die Hälfte des Autostroms.


Sobald aber Fahrprofil, Winter und Mindestladeleistung dazukommen, bleibt in der Praxis eher ein Fünftel bis ein Viertel übrig. Bei mir sind das die genannten 400 bis 500 kWh von 2.000 kWh. Der Rest kommt aus dem Netz.


Was wirklich entscheidet: Auslegung und Energiemanagement


Ob die Kombination gut oder mittelmäßig läuft, entscheidet sich nicht an der Prozentzahl, sondern vorher. Bindet dein Energiemanagement das Auto sauber als Überschussladung ein? Kann die Wallbox mit dem System reden und die Leistung herunterregeln? Passt die Ausrichtung – vielleicht lieber Ost und West für Morgen- und Abendstunden – überhaupt zu deinem Fahrprofil?


Das ist kein Thema, das man schnell nebenbei entscheidet. Das gehört vernünftig geplant.


Für wen sich das E-Auto laden mit PV nicht lohnt


Für jeden, der glaubt, er kauft PV plus Auto und fährt ab dann gratis. Spätestens ein Jahr später steht die höhere Stromrechnung da, weil das Auto eben doch am Netz hing.


Auch wer keinen eigenen Stellplatz hat oder tagsüber nie zu Hause laden kann, hat keinen Selbstläufer. Für diese Fälle gibt es aber einen Hebel: Dynamische Stromtarife. Wenn du tagsüber ohnehin weg bist, lädst du damit nachts unter Umständen sehr günstig aus dem Netz.


Und ganz offen: Eigenheim plus Elektroauto plus PV ist erst einmal mit Anschaffungskosten verbunden. Das ist eher ein Luxusthema.


Mein Fazit zum E-Auto laden mit PV


Umsonst laden klappt definitiv nicht. Heißt das, die Kombination lohnt sich nicht? Im Gegenteil: Jeder Verbraucher, den du in sonnenreichen Zeiten aus eigenem Strom deckst, hebt deine Eigenverbrauchsquote und macht die Anlage rentabler – egal ob Elektroauto oder Wärmepumpe.


Mit einer größeren PV-Anlage holst du auch im Winter mehr heraus, hast aber ebenso höhere Anschaffungskosten. Es ist also kein geschenkter Strom, sondern ein guter Baustein – wenn das ganze System sauber ausgelegt ist.


Häufige Fragen zum E-Auto laden mit PV


Wie viel vom Autostrom kommt realistisch vom eigenen Dach?


Bei mir sind es 400 bis 500 kWh von 2.087 kWh Ladestrom, also etwa ein Fünftel bis ein Viertel. Rechnerisch wäre bei einer 10-kWp-Anlage mit 10 kWh Speicher rund die Hälfte möglich – die Praxis liegt darunter.


Warum lädt mein Hausspeicher das Auto nicht?


Weil die Kapazitäten nicht zueinander passen. 10 bis 23 kWh Heimspeicher gegen 34 kWh und mehr Autoakku: Der Speicher ist schnell leer. Viele Energiemanagement-Systeme sperren den Speicher beim Autoladen deshalb bewusst.


Warum funktioniert Überschussladen im Winter kaum?


Weil dreiphasige Systeme meist etwa 4 kW Überschuss brauchen, um überhaupt zu starten. An trüben Tagen reicht die Erzeugung nicht einmal für Haushalt und Speicher, und das Auto steht in der Priorität hinten.


Verbraucht das E-Auto im Winter mehr?


Ja. Durch Heizung und kalten Akku werden aus 16 kWh schnell 20 kWh auf 100 km – genau in den Monaten, in denen am wenigsten vom Dach kommt.


Lohnt sich ein dynamischer Stromtarif als Alternative?


Wenn du tagsüber nicht zu Hause laden kannst, ist das der interessantere Hebel. Du lädst dann nachts günstig aus dem Netz, statt auf Überschuss zu warten, der nie kommt.


So bekommst du deine Beratung und dein unverbindliches Photovoltaik-Angebot


Auslegung und Energiemanagement sind bei dieser Kombination der entscheidende Punkt. Ich arbeite seit einigen Jahren mit einem Netzwerk aus Installationsbetrieben zusammen, die genau das gut können. Über den Button kannst du unverbindlich anfragen.



Sonnige Grüße, Nils

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