Geld verdienen durch Stromverbrauch - Für wen sind dynamische Tarife interessant?
- 5. Mai
- 4 Min. Lesezeit
Dynamische Stromtarife können für PV-Besitzer richtig interessant werden – aber für viele lohnen sie sich kaum. Ich nutze einen dynamischen Tarif selbst und habe schon Geld verdient, indem ich Strom verbraucht habe. Klingt absurd? Am 1. Mai lag der Börsenpreis bei -47 Cent pro Kilowattstunde – wer in diesem Moment 10 kWh geladen hat, hat 4,70 € verdient. In diesem Beitrag erfährst du, wie das funktioniert, was du dafür brauchst und wer wirklich von einem dynamischen Tarif profitiert.
Das komplette Video ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=kBKZPiPkWfE
Was ist ein dynamischer Stromtarif – und was brauchst du dafür?
Strom wird an der Strombörse gehandelt – nach Angebot und Nachfrage. Ein dynamischer Tarif koppelt deinen Bezugspreis direkt an diesen Börsenpreis, der sich stündlich ändert. Du wirst im 15-Minuten-Takt abgerechnet statt einmal im Jahr.
Voraussetzung: Du brauchst ein intelligentes Messsystem (iMSys), umgangssprachlich Smart Meter. Wer noch keines hat, kann bei manchen Anbietern einen Aufsatz auf den vorhandenen Zähler setzen – sofern dieser eine optische Schnittstelle hat. Dann liest der Anbieter den Zählerstand direkt aus und übermittelt ihn per App.
Wie sieht die Abrechnung beim dynamischen Tarif konkret aus?
Jede Viertelstunde bekommt du den aktuellen Börsenpreis plus Netzentgelte und Abgaben in Rechnung gestellt. Das heißt: In teuren Stunden (z. B. morgens oder abends bei hoher Nachfrage) zahlst du mehr. In sehr günstigen Stunden – oder sogar bei negativen Preisen – zahlst du sehr wenig oder wirst dafür bezahlt, dass du Strom verbrauchst.
Wann habe ich wirklich Geld verdient, indem ich Strom verbraucht habe?
Am Feiertag 1. Mai war es windig, viel Solar-Strom war im Netz, die Industrie ruhte. Um 14 Uhr: -47 Cent pro Kilowattstunde. Ich habe das Elektroauto eingesteckt, Waschmaschine und Spülmaschine angemacht – und dabei Geld verdient statt es zu zahlen.
Aber: Negative Preise sind selten. Sie entstehen vor allem mittags an Feiertagen oder sehr windigen Tagen. Im Alltag bist du tagsüber oft gar nicht zu Hause, um davon zu profitieren.
PV-Anlage und dynamischer Tarif: Passt das zusammen?
Wer eine PV-Anlage hat, erzeugt genau dann am meisten Strom, wenn die Börsenpreise am niedrigsten sind – also mittags. Zu diesem Zeitpunkt hat man kaum Netzbezug, von dem man profitieren könnte. Meine Community bestätigt das: Viele mit PV sind wieder zurück auf einen fixen Tarif gewechselt, weil der dynamische Tarif für sie kaum Vorteile brachte.
Wichtig: Bei negativen Strompreisen gibt es nach § 51 EEG keine Einspeisevergütung mehr. Wer zu solchen Zeiten einspeist, verdient damit also nichts – und ab nächstem Jahr wird diese Regelung höchstwahrscheinlich noch verschärft.
Größerer Speicher für den dynamischen Tarif – lohnt sich das?
Ich habe 23 kWh Speicher im Keller. Die sind am Morgen noch zu 40 % geladen, werden tagsüber von der PV gefüllt und sind dann schnell voll. Ein noch größerer Speicher würde das kaum ändern. Außerdem entstehen beim Laden und Entladen Wirkungsgradverluste – du kaufst Strom für -47 Cent, verlierst aber 15-20 % in den Wirkungsgraden. Die Rechnung geht trotzdem auf, aber lass dir keinen unnötig großen Speicher verkaufen. Der Speicher sollte auf deinen Verbrauch ausgelegt sein, nicht auf seltene Börsenpreispeaks.
Elektroauto und dynamischer Tarif: Das ist die beste Kombination
Wer kein Auto zuhause laden kann oder überwiegend abends bezieht, profitiert wenig. Wer aber ein Elektroauto hat, tagsüber zuhause ist und es gezielt steuern kann, kann enorm sparen. Bei 10 kWh laden zum Beispiel an einem Feiertag mit -47 Cent = 4,70 € verdient. Mit 30 kWh wären das 14 €. Das lohnt sich.
Auch zeitvariable Netzentgelte können zusätzlich attraktiv sein – je nach Netzgebiet sind die zu bestimmten Zeiten günstiger. Gerade mit dem E-Auto macht das einen spürbaren Unterschied.
Wer profitiert wirklich von dynamischen Tarifen?
Aus meiner Praxis: Am meisten profitieren Menschen ohne PV-Anlage (oder mit sehr kleiner), die tagsüber zu Hause sind und große steuerbare Verbraucher haben. Besonders attraktiv: Elektroauto, Wärmepumpe im Altbau (die ich gezielt hochfahren kann bei günstigen Preisen), Waschmaschine und Spülmaschine.
Wer eine große PV-Anlage hat (10-20 kWp), hat tagsüber so viel Eigenproduktion, dass kaum noch Netzbezug entsteht – und damit kaum Gelegenheit, von niedrigen Börsenpreisen zu profitieren.
Situation | Profitiert vom dyn. Tarif? | Warum? |
E-Auto-Besitzer, tagsüber zuhause | Ja, sehr | Großer steuerbarer Verbraucher, kann gezielt laden |
PV-Anlage groß (>10 kWp) | Kaum | Tagsüber Eigenproduktion → kein Netzbezug bei Niedrigpreisen |
PV + kleiner Speicher | Manchmal | Speicher kann bei neg. Preisen aus dem Netz laden |
Wärmepumpe + kein E-Auto | Bedingt | Nur im Winter interessant, wenn WP viel verbraucht |
Haushalt ohne PV, ohne E-Auto | Wenig | Verbraucher zu unflexibel für schnelle Reaktion |
Fazit: Dynamischer Tarif Photovoltaik
Dynamische Tarife sind kein Selbstläufer. Wer eine große PV-Anlage hat, profitiert selten davon – weil die Anlage genau dann Strom liefert, wenn die Preise niedrig sind. Wer ein Elektroauto hat und tagsüber laden kann, hat die beste Ausgangslage. Der Smart Meter ist Pflicht – ohne iMSys geht es nicht. Und lass dir keinen riesigen Speicher andrehen, der sich speziell für dynamische Tarife rechnen soll. Die Wirtschaftlichkeit hängt von deinem konkreten Verbrauchsprofil ab.
Häufige Fragen
Was brauche ich für einen dynamischen Stromtarif?
Du brauchst zwingend ein intelligentes Messsystem (iMSys / Smart Meter), das im 15-Minuten-Takt messen kann. Ohne das ist kein dynamischer Tarif möglich. Alternativ gibt es Brückenlösungen mit einem Aufsatz auf einen optischen Zähler.
Kann ich mit negativen Strompreisen wirklich Geld verdienen?
Ja – wenn du in diesem Moment Strom aus dem Netz beziehst. Bei -47 Cent je kWh und 10 kWh Bezug macht das 4,70 € Gewinn. Negative Preise sind aber selten, vor allem mittags an windigen Tagen oder Feiertagen.
Bekomme ich bei negativen Strompreisen noch Einspeisevergütung?
Nein. Nach § 51 EEG entfällt die Einspeisevergütung bei negativen Börsenpreisen. Ab nächstem Jahr wird diese Regelung voraussichtlich weiter verschärft.
Sollte ich für dynamische Tarife einen größeren Speicher kaufen?
Nein. Der Speicher sollte auf deinen Tagesverbrauch ausgelegt sein, nicht auf seltene Preisspitzen. Wirkungsgradverluste beim Laden und Entladen reduzieren den Vorteil zusätzlich. Lass dir keinen übergroßen Speicher mit dem Argument verkaufen, du könntest damit dynamische Tarife optimal nutzen.
Für wen lohnt sich ein dynamischer Tarif am meisten?
Für Menschen mit Elektroauto, die tagsüber zuhause sind und flexible Verbraucher haben. Wer eine große PV-Anlage hat, profitiert oft kaum – die Anlage deckt genau die Stunden ab, in denen Strom günstig wäre.

