Balkonkraftwerk mit Speicher: 2.300 Watt an der Schuko-Steckdose im Test
Aktualisiert: vor 12 Stunden
Werbung: Dieser Beitrag gehört zu meinem Video in bezahlter Kooperation mit Maxxisun. Maxxisun hat mir das System zum Testen zur Verfügung gestellt.
Beim Balkonkraftwerk mit Speicher gilt eigentlich eine feste Regel: 800 Watt an der Steckdose, mehr nicht. Der Maxxicharge V2+ von Maxxisun darf laut Hersteller 2.300 Watt einspeisen, an der ganz normalen Schuko-Steckdose. Genau das habe ich bei mir ausprobiert.
Ich habe mein E-Auto angesteckt, einen Heizlüfter auf einer anderen Phase laufen lassen und einen Stromausfall getestet, mit echten Daten aus der App. Dazu erfährst du, warum bei fast allen anderen Speichern bei 800 Watt Schluss ist, was du anmelden musst und ob sich das bei 2.500 kWh Verbrauch im Jahr lohnt.
Test 1: Das E-Auto an der Schuko-Steckdose
Vorher braucht das Haus gut 400 Watt, komplett aus dem Speicher. Dann stecke ich das Auto ganz normal an die Steckdose. Der Verbrauch springt auf über 2.000 Watt, im ersten Moment aus dem Netz. Nach ein paar Sekunden regelt der Speicher hoch, auf über 2.100 Watt.
Ein normales Balkonkraftwerk mit Speicher würde bei 800 Watt stehen bleiben. Ein E-Auto aus einem 5-kWh-Speicher vollzuladen, ist natürlich nicht unbedingt sinnvoll, der Test zeigt aber, was an Leistung möglich ist.
Test 2: Heizlüfter auf einer anderen Phase
Im zweiten Test hängt ein Heizlüfter an einem ganz anderen Stromkreis, also auf einer anderen Phase. Der Hausverbrauch liegt bei 2.299 Watt, das System gibt 2.211 Watt ans Hausnetz ab. Es bleiben nur 77 Watt Netzbezug.
Wie geht das mit nur einer Steckdose? Dein Stromzähler rechnet die drei Phasen in aller Regel zusammen. Für die Stromrechnung ist es also egal, auf welcher Phase eingespeist und verbraucht wird.
Warum beim Balkonkraftwerk mit Speicher sonst bei 800 Watt Schluss ist
Jede Leitung in deiner Wand wird warm, wenn Strom fließt: Doppelt so viel Strom heißt viermal so viel Wärme. Schützen soll sie dein Sicherungsautomat. Der misst aber nur, was durch ihn selbst fließt, nicht, was durch die Leitung fließt.
Ein Beispiel: Dein Haushalt zieht auf einem Stromkreis 3.700 Watt, das sind gut 16 Ampere. Gleichzeitig speist ein Speicher 800 Watt in denselben Stromkreis ein. Die Sicherung sieht dann nur noch 12,6 Ampere, die Leitung trägt aber weiter die vollen 16 Ampere.
Dazu kommt: Beim 1,45-fachen Strom darf sich ein normaler Sicherungsautomat bis zu einer Stunde Zeit lassen. Die Isolierung einer normalen Leitung ist für 70 °C ausgelegt und hält dort mehrere Jahrzehnte. Bei 99 °C sind es laut einer Laboruntersuchung nur noch etwa ein Jahr. Deshalb gibt es die 800-Watt-Grenze: eine Sicherheitsreserve für Leitungen, die niemand geprüft hat.
So arbeitet ready2plugin
Laut Maxxisun misst der Maxxicharge V2+ per Software in Echtzeit, was auf seiner Phase passiert und wie warm die Leitung wird. Kommt ein großer Verbraucher dazu, nimmt der Speicher sofort Leistung zurück, danach gibt er wieder mehr frei. Die Software dahinter heißt ready2plugin. Laut Hersteller hat das Fraunhofer ISE die Regelung geprüft.
Software statt Sicherung, kann man dem trauen? Geprüft wurde die Regelung, nicht jeder einzelne Haushalt. Steckdose, Leitungen und Sicherung müssen in Ordnung sein. Wohnst du im Altbau und bist unsicher, lass bitte einen Elektriker draufschauen.
Bei manchen anderen Herstellern stellst du die Einspeisung einfach in der App hoch, ohne dass jemand deine Leitung prüft. Die Freischaltung auf 2.300 Watt kostet beim Maxxicharge V2+ einmalig 179 €. Du musst sie nicht machen, aber du kannst.
Balkonkraftwerk mit Speicher anmelden: Was gilt?
Ein normales Balkonkraftwerk ohne Speicher bis 800 Watt trägst du im Marktstammdatenregister ein, das ist Pflicht. An der Schuko-Steckdose dürfen dabei bis zu 960 Watt Module hängen. Für mehr brauchst du sonst eine Wieland-Steckdose oder einen festen Anschluss vom Elektriker.
Mit Speicher kommt mehr dazu: Im Marktstammdatenregister trägst du den Speicher als eigene Einheit mit ein. Außerdem meldest du ein Balkonkraftwerk mit Speicher immer bei deinem Netzbetreiber an, auch unter 800 Watt. Bis 800 Watt gibt es dafür ein vereinfachtes Formular. Gehst du mit dem Maxxicharge V2+ über 800 Watt, zählt das System als normale Erzeugungsanlage. Der Hersteller bietet die Anmeldung als Service an.
Ganz wichtig: Informier dich vor dem Kauf und vor der Installation, was aktuell gilt. Die Regeln ändern sich immer wieder.
Aufbau: Steuereinheit, Speicher und Module in Reihe
Maxxisun ist ein Familienunternehmen aus Wiedemar in Sachsen, gegründet 2022. Oben sitzt die Steuereinheit (CCU) mit Wechselrichter und Display, darunter der Speicher mit 3 oder 5 kWh.
Die Module werden in Reihe geschaltet. Die Spannung steigt, es fließt weniger Strom, das heißt weniger Verluste und weniger Kabel. Pro Eingang schließt du 2 bis 4 Module an, bei Ost-West-Ausrichtung bis zu 2.000 Watt. Der 3-kWh-Speicher hat zwei Eingänge, der 5-kWh-Speicher drei.
Erweitern geht bis 80 kWh Speicher. Mit drei Speichern plus CCU auf je einer Phase kommst du laut Maxxisun auf 6,9 kW Ausgangsleistung, ins öffentliche Netz gehen dabei laut Maxxisun nie mehr als 800 Watt.
Richtig gut finde ich den echten Schalter auf der Rückseite, der die Solarseite stromlos macht, denn in Reihe hast du schnell über 100 Volt Gleichspannung. Das Gehäuse ist nach IP65 wasserdicht und darf von minus 20 °C bis plus 55 °C draußen stehen. Ehrlicher Hinweis: Auch der Hersteller empfiehlt, das Gerät lieber drinnen aufzustellen, das schont den Akku.
Smart Meter, App und dynamischer Stromtarif
Der Speicher braucht ein Messgerät am Zähler. Am einfachsten ist der EcoTracker, den klebst du ohne Elektriker auf, aktuell ist er kostenlos dabei. Ich nutze das Smart Meter von Shelly, dafür brauchst du einen Elektriker.
In der App siehst du Erzeugung, Speicherstand, Verbrauch und Netzbezug. Du kannst einen dynamischen Stromtarif einbinden: Dann lädt der Speicher mit 2.300 Watt aus dem Hausnetz, wenn der Strom günstig ist, und überbrückt teure Stunden. Home Assistant lässt sich verbinden, und nach der Einrichtung braucht das System kein Internet mehr, deine Daten landen in keiner Cloud.
Test 3: Was passiert beim Stromausfall?
Hinten am Gerät gibt es eine Notstromsteckdose. Oder ein Elektriker bindet den Speicher fest ein, dann versorgt er bei Stromausfall einen ganzen Stromkreis.
Im Test habe ich den Heizlüfter eingeschaltet und den Stecker gezogen. Der Heizlüfter lief einfach weiter, komplett aus dem Speicher. Die Grenzen: nur eine Phase und nur normale 230-Volt-Geräte. Herd, Wärmepumpe oder Wallbox laufen damit nicht.
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk mit Speicher? Meine Rechnung
Als Faustregel bringt jedes Kilowattpeak grob 1.000 kWh im Jahr. Wie viel du sparst, hängt davon ab, wann du Strom verbrauchst und wie viel Solarstrom du selbst nutzt.
Gerechnet habe ich mit dem Balkonkraftwerk-Rechner meiner Wissensplattform: 2.500 kWh Verbrauch im Jahr, 200 Watt Dauerlast, 0,5 % Strompreissteigerung pro Jahr. Durchgerechnet habe ich zwei Konfigurationen, so wie du sie bei Maxxisun bestellen kannst:
Konfiguration | Preis aktuell | Ersparnis pro Jahr | Amortisation |
2 Module, 1.000 Watt, 3 kWh Speicher | 1.852 € | etwa 220 € | etwa 7 Jahre |
4 Module, 2.000 Watt, 3 kWh Speicher | 2.177 € | etwa 320 € | knapp 6 Jahre |
Beide Preise enthalten die Freischaltung auf 2.300 Watt und das Messgerät am Zähler.
Doppelte Modulleistung heißt also nicht doppelte Ersparnis, bei 2.500 kWh fehlt dir irgendwann der Verbrauch. Hebe ich den Jahresverbrauch auf 4.500 kWh an (2.000 Watt, 3 kWh Speicher), sparst du rund 410 € im Jahr. Mit dem 300-€-Rabattcode hat sich das nach etwa 4,4 Jahren bezahlt gemacht. Je mehr du verbrauchst und je mehr davon tagsüber passiert, desto schneller rechnet sich das System.
Rechne es selbst durch: Den Balkonkraftwerk-Rechner findest du kostenlos auf meiner Wissensplattform.
Fazit: Für wen passt der Maxxicharge V2+?
Er passt, wenn du mit einem Balkonkraftwerk einsteigen willst, technisch begeistert bist und unkompliziert mehr als 800 Watt nutzen möchtest oder später Schritt für Schritt erweitern willst.
Eher nichts für dich ist er, wenn du die ganz schnelle Amortisation suchst. Ein gebuchter Aufbauservice verlängert die Zeit deutlich, bis sich das System rechnet. Ohne Fläche für Solarmodule ist er nur bedingt etwas für dich. Ob sich der Speicher dann allein mit dynamischen Strompreisen rechnet, prüf bitte genau.
Hast du einen sehr hohen Verbrauch, etwa mit Wärmepumpe, oder willst du dein E-Auto regelmäßig mit Solarstrom und 11.000 Watt oder mehr laden? Dann schau dir besser eine größere PV-Anlage auf dem Dach an. Über mein Fachpartner-Netzwerk kannst du ohne Verkaufsdruck ein unverbindliches PV-Angebot anfordern. Die Fachbetriebe beraten dich und erstellen dir ein Angebot.
*Für vermittelte Anfragen erhalte ich von den Fachbetrieben eine Vergütung. Für dich ist das Angebot kostenlos und unverbindlich.
Häufige Fragen
Darf ein Balkonkraftwerk mit Speicher mehr als 800 Watt einspeisen?
Normalerweise nicht. Der Maxxicharge V2+ darf laut Hersteller mit Freischaltung bis zu 2.300 Watt abgeben, weil ready2plugin die Leitung überwacht. Ein Balkonkraftwerk mit Speicher meldest du immer beim Netzbetreiber an: bis 800 Watt mit vereinfachtem Formular, darüber als normale Erzeugungsanlage.
Funktioniert das auch, wenn der Verbraucher auf einer anderen Phase hängt?
Ja, im Test lag der Netzbezug nur bei 77 Watt. Dein Zähler rechnet die drei Phasen in aller Regel zusammen.
Läuft beim Stromausfall das ganze Haus weiter?
Nein. Der Speicher versorgt die Notstromsteckdose oder, fest vom Elektriker eingebunden, einen Stromkreis, und zwar nur mit 230 Volt auf einer Phase.
Wie schnell rechnet sich das System?
Bei 2.500 kWh Verbrauch waren es in meiner Rechnung knapp 6 bis etwa 7 Jahre, bei 4.500 kWh mit 2.000 Watt und 3 kWh Speicher etwa 4,4 Jahre mit dem 300-€-Rabattcode.
Das Balkonkraftwerk aus dem Video
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Sonnige Grüße, Nils





