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Speichergröße PV: Mehr Kapazität bringt nicht mehr Autarkie

  • 19. Mai
  • 4 Min. Lesezeit


Ich habe einen 23-kWh-Speicher im Keller. Werde ich damit im Winter wirklich autark? Ehrliche Antwort: Nein. Und ich würde heute einiges anders machen. Nur mit Photovoltaik und Wechselrichter spare ich bereits 1.257 Euro pro Jahr – ohne Speicher. Was der Speicher zusätzlich bringt, wie Wirkungsgradverluste die Rechnung beeinflussen und warum größer nicht automatisch besser ist, zeige ich dir in diesem Beitrag.


In diesem Beitrag zeige ich dir, welche Faktoren die optimale Speichergröße bestimmen, was dynamische Stromtarife mit Speicherverlusten zu tun haben, und was ich nach Jahren mit meiner eigenen Anlage anders machen würde.


Das komplette Video ansehen:


Speichergröße richtig berechnen – mehr Speicher ≠ mehr Autarkie – auf YouTube ansehen


Was bringt eine PV-Anlage ohne Speicher – und wie viel spare ich wirklich?


Bei meiner eigenen PV-Anlage (8,8 kWp, Bj. 2019, Einspeisevergütung 10,45 Cent/kWh, Strompreis 25 Cent/kWh) ergibt sich allein durch die Anlage ohne Speicher eine jährliche Einsparung von 1.257 Euro. Das ist schon ein erheblicher Wert – ohne einen einzigen Cent für einen Speicher ausgegeben zu haben.


Mit einem 10-kWh-Speicher steigt die Autarkie von 25 % auf 41 % und die jährliche Einsparung auf rund 1.494 Euro. Das ist ein spürbarer Schritt. Wenn ich den Speicher auf 20 kWh verdoppele, erreiche ich nur 45 % Autarkie und spare ca. 1.550 Euro – nur 56 Euro mehr pro Jahr, für die Kosten von 10 weiteren kWh Kapazität.


Warum wird ein großer Speicher im Sommer nicht richtig genutzt?


Mein 23-kWh-Speicher ist im Sommer morgens oft noch fast voll – weil der Haushaltsverbrauch nachts nicht ausreicht, um ihn zu leeren. Das heißt: Der Speicher wird in vielen Sommernächten nicht vollständig zyklisiert. Er steht dann teilweise ungenutzt und kostet dennoch Geld.


Im Winter sieht das Bild ganz anders aus: Die Wärmepumpe verbraucht so viel Strom, dass die PV-Anlage kaum mithalten kann. In Monaten wie Januar war die Erzeugung beinahe zu vernachlässigen. Der Speicher hilft hier kaum, weil er einfach nicht für den ganzen Tag reicht und auch nicht vollgeladen wird. Der Speicher ersetzt im Winter nicht die fehlende Sonne.


Welche Rolle spielen Wirkungsgradverluste beim Speichern von Netzstrom?


Wer den Speicher mit güstigem Netzstrom beladen will, müss die Verluste kennen. Ein effizientes Batteriesystem hat bei 4.000 Watt Ladeleistung einen Systemwirkungsgrad von ca. 78 % – das heißt: 22 % der eingekauften Energie gehen als Wärme verloren. Bei weniger effizienten Systemen sinkt der Wirkungsgrad auf 63 %.


Konkret bedeutet das: Um mit dynamischen Stromtarifen wirklich Geld zu sparen, muss der Ladepreis und die Differenz zum späteren Entladezeitpunkt groß genug sein, um die Verluste zu überwiegen. Laut Stromspeicherinspektion (HTW Berlin) brauchst du mindestens 67 % Systemeffizienz, damit das Beladen bei 20 Cent und Entladen bei 30 Cent noch wirtschaftlich positiv ist. Bei einem Lade-/Entladedifferential von nur 5 Cent pro kWh ist das Ganze schnell ein Nullsummenspiel.


Wichtiger als die Spitzenleistung: Die Effizienz bei niedriger Last (z. B. 200 Watt Grundverbrauch im Haus). Das ist der häufigste Betriebspunkt des Speichers. Systeme, die hier ineffizient sind, verlieren über das Jahr deutlich mehr Energie als bei den kurzen Lastspitzen.


Wie berechnet man, ob eine Speichererweiterung sich lohnt?


Ein einfaches Rechenbeispiel: Du hast einen 10-kWh-Speicher und überlegst, auf 15 kWh zu erweitern. Die Erweiterung kostet angenommen 1.000 Euro (bei günstigen Angeboten). Du gewinnst dadurch vielleicht 56 Euro mehr Einsparung pro Jahr. 1.000 ÷ 56 = fast 18 Jahre Amortisation für die Erweiterung allein.


Die Stromspeicherinspektion der HTW Berlin hat auch dafür eine Übersicht veröffentlicht, die zeigt, wie effizient Netzstromspeicherung sein muss, damit sie wirtschaftlich positiv ist. Das ist ein wertvolles Werkzeug, um Systeme vergleichen zu können.


Wann machen große Speicher trotzdem Sinn?


Es gibt valide Gründe für einen größeren Speicher, die nichts mit Wirtschaftlichkeit zu tun haben. Erstens: Absicherung bei Stromausfall. Wer bei einem Blackout nicht vom Netz abhängig sein möchte, braucht mehr Kapazität als Reserve. Zweitens: Hohe Ladeleistung. Bei einer C-Rate von 0,5 liefert ein 10-kWh-Speicher nur 5 kW Leistung. Eine Sauna mit 7 kW oder das Schnellladen des E-Autos erfordern einen größeren Speicher.


Drittens: Wer mit dynamischen Stromtarifen arbeiten möchte und genügend Preisdifferenz zwischen Laden und Entladen hat, kann einen größeren Speicher nutzen – muss dabei aber die oben genannten Wirkungsgradverluste berücksichtigen.


Was würde ich heute anders machen?


Das ist die Frage, die ich mir selbst gestellt habe. Meine ehrliche Antwort: Ich würde heute keinen so großen Speicher kaufen. Stattdessen würde ich erstens mehr in PV-Leistung investieren, weil Solarmodule aktuell günstig sind und ich in den lichtschwachen Wintermonaten mehr Ertrag vom Dach hätte. Zweitens würde ich von Anfang an ein intelligentes Energiemanagementsystem mitdenken, das Verbraucher automatisch steuert, wenn Solarstrom überfüssig ist. Drittens würde ich den Speicher modular starten – klein anfangen und bei Bedarf erweitern.


Der Speicher, den ich würde nehmen: so groß, dass er zu meinem Verbrauchsprofil passt – nicht so groß, dass er mehr kostet als er einspart. Das ist keine Faustformel, sondern eine individuelle Rechnung.


Fazit: Speichergröße richtig berechnen


Schon allein mit PV und Wechselrichter spart man 1.257 Euro im Jahr – das ist die Basis. Ein erster Speicher (10 kWh) bringt rund 237 Euro mehr pro Jahr. Eine Verdopplung auf 20 kWh bringt nur noch 56 Euro mehr. Der Grenznutzen sinkt stark. Wer wirtschaftlich denkt, startet modular, wählt ein effizientes System und investiert lieber in mehr PV-Leistung als in große Speicherkapazität.


Häufige Fragen


Wie viel kWh Speicher brauche ich für eine 10-kWp-PV-Anlage?


Als grobe Orientierung: 1 kWh Speicher pro kWp PV-Leistung ist ein oft zitierter Wert. Aber dein Verbrauchsprofil ist entscheidend – nutze den Solarisator der HTW Berlin, um konkret zu rechnen.


Lohnt es sich, einen PV-Speicher mit dynamischen Tarifen zu laden?


Nur wenn die Preisdifferenz zwischen Laden und Entladen groß genug ist, um die Wirkungsgradverluste (22 % bei effizienten Systemen) zu überwiegen. In der Praxis lohnt es sich häufiger im Winter als im Sommer.


Was sind Wirkungsgradverluste beim Stromspeicher?


Beim Laden und Entladen des Speichers geht Energie als Wärme verloren. Bei einem effizienten System mit 4 kW Ladeleistung liegen die Systemverluste bei ca. 22 %. Bei niedrigerem Wirkungsgrad (63 %) können die Verluste noch größer sein.


Wo kann ich die Speichergröße kostenlos berechnen?


Der Solarisator der HTW Berlin ist das empfehlenswerteste kostenlose Tool. Auch die Stromspeicherinspektion (ebenfalls HTW Berlin) gibt wertvolle Hinweise zur Effizienz verschiedener Speichersysteme.


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