Solarmodule auf der Nordseite: Mein Norddach schafft im September knapp zwei Drittel von Süd
Lohnen sich Solarmodule auf der Nordseite? „Die Südseite macht aktuell 250 Watt pro Modul, die Nordseite nur 25 Watt.“ Das hat mir einer von euch geschrieben, und er zweifelt jetzt an seinem Norddach. 10 %, ganz ehrlich, da würde ich auch zweifeln.
Auf meiner neuen PV-Anlage zeigen neun Module bewusst nach Norden, und auf der Südgaube steht mir ein Schornstein im Weg. Jetzt ist der erste komplette Monat rum, und meine App zeigt mir jedes einzelne Modul.
Ich zeige dir, was Nord, Süd, Ost und West im September wirklich geschafft haben, was mich der Schatten gekostet hat und ob ich die Nordseite wieder belegen würde. Eins vorweg: 10 % sind es bei mir nicht, nicht mal annähernd.
Meine PV-Anlage kurz vorgestellt
Ich habe 24,7 kWp, also 51 Module mit je 485 Watt. Alle Module sind gleich, deshalb kann ich sie eins zu eins vergleichen.
Sie liegen auf drei Dachflächen mit vier Ausrichtungen: 9 auf der Nordgaube, 14 auf der Südgaube mit dem Schornstein und 28 auf dem Flachdach, je 14 nach Osten und Westen. Beide Gauben haben rund 16 Grad Neigung, die Flachdach-Module 10 Grad.
An jedem Modul sitzt ein Optimierer, deshalb sehe ich jedes Modul einzeln. Die Anlage läuft seit dem 23. August, ausgewertet habe ich den kompletten September.
Watt oder Kilowattstunden: Warum der Mittagswert täuscht
In den 250 und 25 Watt steckt ein Denkfehler. Watt ist die Leistung in diesem Moment, Kilowattstunden sind das, was über die Zeit zusammenkommt. Wie beim Auto: Watt ist der Tacho, Kilowattstunden sind die Kilometer auf dem Zähler.
Mittags bei klarem Himmel knallt die Sonne voll auf die Südseite. Die Nordseite bekommt sie nur ganz flach ab, ein großer Teil kommt als Licht vom hellen Himmel, Fachleute sagen dazu diffuses Licht. Genau dann ist der Abstand am größten. Morgens, abends und an trüben Tagen sieht es ganz anders aus. Heißt: Ein Blick mittags in die App ist ein Schnappschuss, keine Bilanz.
Solarmodule auf der Nordseite im Vergleich: meine Monatsbilanz
Die ganze Anlage hat im September rund 1.840 kWh erzeugt. Das sind rund 74 kWh pro kWp oder rund 61 kWh am Tag.
Mein Maßstab sind die Südmodule ohne Schatten. Sie liegen bei 43 bis 44 kWh, im Schnitt bei 43,75 kWh. Das ist meine 100 %. Das beste Modul nehme ich bewusst nicht, sonst sehen alle anderen schlechter aus, als sie sind.
Fläche | Ertrag pro Modul im September | Anteil vom Südmodul |
Südgaube ohne Schatten | 43,75 kWh | 100 % |
Flachdach Ost | 37,2 kWh | rund 85 % |
Flachdach Ost und West zusammen | rund 36,5 kWh | rund 83 % |
Nordgaube (16 Grad) | 27,8 kWh | rund 63 % |
West kommt auf rund 82 %, Ost hatte also leicht die Nase vorn. Und die Nordgaube liegt bei 27 bis 28 kWh pro Modul, fast wie mit dem Lineal gezogen. Mein Nordmodul hat im September also knapp zwei Drittel von dem geschafft, was ein Südmodul geschafft hat. Nicht 10 %, sondern knapp zwei Drittel.
Neigung und Jahreszeit: Was schafft ein Norddach im Winter?
Bevor jetzt jemand sein ganzes Norddach vollpflastert: Moment, drei Sachen musst du dazu wissen. Die Vergleichswerte habe ich mit PVGIS nachgeschaut, einem kostenlosen Rechentool der EU-Kommission, für unsere Region hier in der Nordheide.
Erstens die Neigung. Je flacher eine Nordfläche, desto näher kommt sie an Süd heran. Für meine 16 Grad rechnet PVGIS in einem typischen September mit rund 66 %, gemessen habe ich 63 %. Das passt ganz gut.
Zweitens die Jahreszeit. Im Sommer steht die Sonne hoch, da holt die Nordseite auf. Im Winter bleibt für Norden kaum etwas übrig.
Norddach im Vergleich zum Süddach (PVGIS) | September | Dezember | ganzes Jahr |
16 Grad Neigung (wie bei mir) | rund 66 % | rund 41 % | rund 74 % |
30 Grad Neigung | rund 43 % | rund 29 % | rund 58 % |
Bei 30 Grad rechnet PVGIS im Juni sogar mit rund 83 %, im Oktober nur noch mit rund 31 %. Meine 63 % werden in den nächsten Monaten also ganz schön in den Keller gehen.
Drittens: Das ist ein einziger Monat mit echtem Wetter, PVGIS rechnet mit einem Durchschnitt über viele Jahre. Deshalb schaue ich vor allem auf das Verhältnis von Nord zu Süd.
Für dein eigenes Dach kannst du im PV-Rechner auf meiner kostenlosen Wissensplattform die Dachausrichtung einstellen, auch gemischt mit Nordseite, und siehst, was das für Ertrag und Amortisation heißt. Verschattung und mehrere Flächen einzeln kann der Rechner nicht, das gehört in eine echte Planung.
Verschattung auf dem Süddach: Baum gegen Schornstein
Auf der Südgaube gibt es zwei Schattenwerfer: den Schornstein und einen Baum beim Nachbarn. Und da gab es für mich eine Überraschung.
Der Schatten vom Schornstein liegt auf zwei Modulen. Die kommen auf 40 und 42 kWh statt 43 bis 44 kWh. Zusammen hat mich das im September vielleicht 5 kWh gekostet.
Den größeren Schaden macht der Baum. In seinem Schatten liegen fünf Module ganz rechts mit 35, 36, 36, 38 und 41 kWh, dazu zwei in der Mitte mit jeweils 41 kWh. Diese sieben kommen im Schnitt auf gut 38 kWh, also rund 88 %. Ohne Schatten hätten sie rund 306 kWh gemacht, gemacht haben sie 268 kWh. Das sind rund 38 kWh weniger im ganzen September.
Und jetzt der Knaller: Die Module im Baumschatten liegen damit ungefähr da, wo meine Module auf dem Flachdach Ost und West liegen, sogar ein kleines bisschen drüber. Die Module ohne Schatten direkt daneben bleiben bei 43 bis 44 kWh, sie werden also nicht mit runtergezogen.
Aber ehrlich: Im Winter steht die Sonne tiefer, dann werden die Schatten länger. Dann erwischt es voraussichtlich noch zwei weitere Module ganz oder zumindest teilweise.
Optimierer, Mikrowechselrichter oder eigene Strings?
Normalerweise hängen mehrere Module in Reihe, als String. Durch alle fließt derselbe Strom, wie bei einer Kette. Ein verschattetes Modul kann den ganzen String ausbremsen. Bypass-Dioden überbrücken den verschatteten Teil, aber ganz ohne Verlust geht das nicht.
Bei mir sorgt ein Leistungsoptimierer hinter jedem Modul dafür, dass jedes Modul für sich das Maximum rausholt. Andere Wege sind Mikrowechselrichter an jedem Modul oder Strings, bei denen jede Fläche ihren eigenen Eingang am Wechselrichter bekommt, also einen eigenen MPP-Tracker. Was passt, kommt auf dein Dach an.
Einer von euch hat einen Einwand geschrieben, den ich ganz fair finde: Optimierer sind zusätzliche Technik auf dem Dach, und für eine Reparatur muss man aufs Dach. Da hat er recht: Mehr Elektronik auf dem Dach heißt mehr Teile, die ausfallen können. In meinem Video zur alten, verschatteten Anlage war mein Fazit: Geht es rein um den Ertrag, würde ich die Mehrkosten eher vermeiden. Wer eine Auswertung auf Modulebene will oder eine komplexe Anordnung hat, für den kann es passen. Genau das ist mein Fall: vier Ausrichtungen, ein Schornstein, und ich will dir jedes Modul zeigen. Ob sich die Optimierer bei mir rechnen, wird sich zeigen.
Fazit: Würde ich die Solarmodule auf der Nordseite wieder legen?
Stand heute, nach dem ersten Monat: ja. Neun Module, die im September knapp zwei Drittel vom Südmodul geschafft haben, sind für mich kein verschenkter Platz. Aber das ist mein Dach mit meiner Neigung, und es ist ein Monat.
Ist deine Nordseite eher flach, lohnt sich ein genauer Blick, vor allem wenn du viel Strom brauchst, etwa für ein E-Auto. Für den Winter und die Wärmepumpe darfst du von Norden nicht viel erwarten. Ist dein Norddach steil, so um die 45 Grad, rechne genau nach: Laut PVGIS sind es übers Jahr nur noch etwa 45 % vom Süddach.
Schatten heißt nicht automatisch, dass die Fläche leer bleibt. Er muss nur von Anfang an in die Planung: Welche Flächen lohnen sich, wo fällt Schatten hin, wie werden die Module verschaltet? Da sollte ein Fachbetrieb genau draufschauen.
Im Winter zeige ich dir, was von der Nordseite übrig ist. Außerdem simuliere ich einen Stromausfall und schaue, wie lange das Haus mit dem Backup-System von SolarEdge ohne Netz klarkommt.
Häufige Fragen
Lohnen sich Solarmodule auf der Nordseite?
Das hängt vor allem von der Neigung ab. Meine Nordgaube mit rund 16 Grad hat im September rund 63 % vom unverschatteten Südmodul geschafft. Bei Norddächern um 45 Grad sind es laut PVGIS übers Jahr nur noch etwa 45 %.
Warum sagt der Mittagswert in der App so wenig?
Watt zeigt nur die Leistung in diesem Moment, und mittags ist der Abstand zwischen Süd und Nord am größten. Für die Bilanz zählen die Kilowattstunden über Monat oder Jahr.
Wie viel bringt ein Norddach im Winter?
Deutlich weniger. Für 16 Grad rechnet PVGIS im Dezember mit rund 41 % vom Süddach, für 30 Grad mit rund 29 %.
Was kostet Verschattung durch Baum oder Schornstein?
Bei mir haben sieben Module im Baumschatten im September zusammen rund 38 kWh weniger gemacht, der Schornstein vielleicht 5 kWh. Im Winter werden die Schatten länger.
Brauche ich Optimierer bei Verschattung?
Nicht unbedingt. Mikrowechselrichter oder eigene Strings je Fläche sind weitere Wege. Optimierer bringen zusätzliche Elektronik aufs Dach. Was passt, gehört in die Planung.
So bekommst du dein unverbindliches Photovoltaik-Angebot
Du hast Nordseite, Schatten oder mehrere Dachflächen und willst wissen, was sich bei dir lohnt? Über mein Fachpartner-Netzwerk kannst du ohne Verkaufsdruck ein Angebot anfordern. Ein Fachbetrieb daraus meldet sich bei dir, berät dich und erstellt dein Angebot. Die Anfrage ist kostenlos und unverbindlich.
Sonnige Grüße, Nils





