SolarEdge Nexis: Ein Wechselrichter von 8 bis 20 kW zum selben Preis
- 19. Juli
- 6 Min. Lesezeit
Wenn du heute eine PV-Anlage planst, gilt eine Regel: Für jede Anlagengröße brauchst du einen anderen Wechselrichter. 10 kW Anlage, 10-kW-Gerät. 15 kW, anderes Gerät, anderer Preis. Und ein Gerät, das 20 kW kann, arbeitet nachts bei 300 Watt Grundlast meist miserabel. Der SolarEdge Nexis will genau diese Regel aushebeln.
Auf der Intersolar stand ein Gerät, das von 8 bis 20 kW alles abdeckt – und dabei nur einen einzigen Preis hat, egal welche Leistung du einstellst. Daneben ein Speicher mit 78 kWh an der Wand und in der App ein Sprachmodell, das dir sagt, wann du dein Auto laden solltest.
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Ich habe mit Robert von SolarEdge gesprochen und drei Dinge geprüft: Wo ist beim Einheitspreis der Haken? Stimmen die versprochenen 5.000 € Ersparnis? Und was passiert, wenn man die KI vor laufender Kamera wirklich etwas fragt?
Das Multi-Range-Konzept: ein Gerät, ein Preis
Bisher gibt es für jede Leistungsklasse ein eigenes Gerät, einen eigenen Preis und ein eigenes Lager beim Großhändler. So funktioniert die Branche seit 20 Jahren. SolarEdge hat daraus ein Gerät mit 8 bis 20 kW AC-Leistung gemacht.
Für den Installateur heißt das: Bei einer 12-kWp-Anlage nimmt er den Nexis und stellt ihn auf 12 kW ein, bei einer 20-kWp-Anlage auf 20 kW. Und der Preis? Ein Preis, so Robert – orientiert am kleineren Gerät, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Möglich sei das unter anderem, weil SolarEdge die Produktion in den letzten Jahren aus China in die USA verlagert hat, wo ein Förderprogramm den Aufbau von Produktion unterstützt.
Der eigentliche Haken ist Physik, nicht Marketing
Ein Wechselrichter, der für 20 kW gebaut ist, wandelt 300 Watt meist schlecht – wie ein Lkw-Motor im Standgas. Und genau da entscheidet sich viel: Die Grundlast im typischen Einfamilienhaus liegt nachts zwischen 100 und 300 Watt. Kühlschrank, Router, Standby. Wenn der Nexis in diesem Bereich schwach ist, spart er nichts, sondern kostet.
Robert nennt zwei Ansätze. Erstens die Auswahl der Komponenten, die auch im kleinen Leistungsbereich effizient sein müssen. Zweitens – und das fand ich den cleveren Teil – ein Managementsystem, das jeden Batterieblock einzeln steuert.
Konkret: Werden nachts nur 400 oder 600 Watt gebraucht, holt das System diese Leistung nicht aus drei Blöcken, sondern aus einem einzigen. Denn 300 Watt aus drei Blöcken bedeuten 100 Watt pro Block – schlecht für den Wirkungsgrad. Das Schwierige daran ist das Nachführen des Ladestands: Beim späteren Laden oder Weiterentladen müssen alle Blöcke wieder auf dasselbe Level gebracht werden.
Ein Nebeneffekt: Fällt ein Block aus, läuft das System weiter und holt die Energie aus den übrigen Blöcken.
Die Batterie: Blöcke, Leistung und 800 Volt
Merkmal | Wert |
Kapazität pro Block | 4,65 kWh |
Leistung pro Block | 3,5 kW laden und entladen |
Blöcke pro Turm | maximal 4 |
maximale Entladeleistung | 20 kW |
maximale Ladeleistung | 28 kW |
Früher war Lade- und Entladeleistung kein großes Thema – für den Eigenverbrauch reichten 5 bis 6 kW. Mit dynamischen Tarifen ändert sich das: Wenn der Strom günstig ist, willst du die Batterie schnell vollbekommen.
Technisch ist SolarEdge außerdem vom 48-Volt-System in den Hochvoltbereich gewechselt. Die Batterie arbeitet mit 800 Volt, und das Festspannungsprinzip auf der DC-Seite liegt in derselben Größenordnung. Der Optimierer macht per Buck-and-Boost an jedem Modul ein eigenes MPP-Tracking und hält die Spannung fest – das macht die Umwandlung in Wechselstrom für den Wechselrichter deutlich einfacher.
Die 5.000 Euro Ersparnis – nachgerechnet
An der Messewand hing in großen Lettern „bis zu 5.000 € Ersparnis in 15 Jahren". Robert sagt, das habe eine beauftragte Beratungsfirma durchgerechnet.
Ich muss das einordnen. „Bis zu" heißt: oberes Optimum. 5.000 € auf 15 Jahre sind 333 € im Jahr. Die Stromspeicherinspektion der HTW Berlin misst zwischen einem hocheffizienten und einem weniger effizienten System einen Unterschied von rund 200 € im Jahr. Der Vergleichsmaßstab ist nicht exakt derselbe, aber die Größenordnung zeigt: SolarEdge rechnet am oberen Rand.
Der Mechanismus dahinter ist trotzdem echt. Das Management auf Speicherblockebene und die Festspannung sind zwei reale Effekte, die im Teillastbereich messbar sind. Nur ist die genannte Summe das Optimum und nicht dein Alltag.
Ersatzstrom: Was die Backup-Box leistet
Die Backup-Box ist dreiphasig. Wie viel Leistung im Notstromfall zur Verfügung steht, hängt an der Anzahl der Batterieblöcke.
Batterieblöcke | Entladeleistung |
2 Blöcke | 7 kW |
3 Blöcke | 10,5 kW |
maximal | bis zu 20 kW |
7 oder 10 kW im Backupfall reichen für die allermeisten Einfamilienhäuser aus.
Cybersicherheit und Betrieb ohne Internet
Robert nennt drei Ebenen: das Gerät selbst und wie man hineinkommt, die Datenübertragung ins Netzwerk und in die Cloud, und der Speicherort der Daten. SolarEdge speichert in Deutschland auf Servern in Frankfurt.
Und die Frage, die selten gestellt wird: Was passiert, wenn ich das System gar nicht ans Internet lasse? Es läuft ganz normal weiter. Zwei Einschränkungen gibt es aber. Erstens die Garantie – bei einem Problem nach vier oder acht Jahren kann der Hersteller nicht nachvollziehen, was passiert ist. Zweitens siehst du selbst nichts mehr: keine Erträge, kein Speicherverhalten in der Nacht, keine Ladedaten.
Übrigens: Die Batterie selbst nachrüsten ist technisch simpel – die Blöcke werden aufeinandergesteckt. SolarEdge will das trotzdem nicht. Ein zertifizierter Elektriker soll das machen, weil das System mit der neuen Blockzahl neu in Betrieb genommen werden muss.
Die KI in der App: der Live-Test
Wenn ein Hersteller KI auf ein Produkt schreibt, ist das in neun von zehn Fällen ein Chatbot vor einem Handbuch. Wir haben es deshalb live ausprobiert: Messe-WLAN, ein Versuch, keine Absprache.
Meine Frage lautete, wann ich mein Auto laden soll. Nach rund vier Sekunden kam die Antwort: Option 1 sofort, weil die Sonne scheint. Option 2 das Mittagsfenster. Dazu ein Zeitraum, den man vermeiden sollte – zwischen 19:45 und 20:00 Uhr bei einem Strompreis von 0,44 € – und eine Tabelle, wann Solarstrom und wann Netzstrom günstiger ist.
Das fand ich stark. Nicht weil es KI ist, sondern weil es die Fragen beantwortet, die jeder Anlagenbesitzer hat: Wann einschalten, wann das Auto laden, wann spare ich am meisten? Dafür brauchst du sonst drei Apps und ein Tabellenblatt.
Zwei Einschränkungen bleiben. Ein Sprachmodell kann sich irren, und ich weiß noch nicht, was passiert, wenn es das beim Strompreis tut. Und das Ganze war eine Messedemo – die Praxis muss es erst zeigen.
Eine dritte Einordnung kommt nicht von mir, sondern von Dr. Johannes Weniger: Von Ostern bis Oktober versorgst du dich mit der PV-Anlage ohnehin zu rund 95 % selbst, da ist der Börsenstrompreis fast egal. Interessant wird die KI also vor allem im Winter.
Energiemanagement: Was eingebunden ist
Home Energy Management ist bei SolarEdge seit Jahren Thema. Eingebunden sind unter anderem Wärmepumpen, ein Hot-Water-Controller und der eigene EV-Charger. Zuletzt sind weitere Wärmepumpen-Hersteller dazugekommen, damit das System als Ganzes zusammenspielt.
Mein Fazit zum SolarEdge Nexis
Das Multi-Range-Konzept löst ein echtes Problem in der Praxis: weniger Varianten für Händler und Installateure, und für dich als Kunde kein Preissprung, nur weil die Anlage etwas größer wird.
Der spannendere Teil ist für mich aber das Blockmanagement im Speicher. Denn genau da entscheidet sich, ob dein Solarstrom nachts das Haus versorgt oder den Keller heizt. Dr. Johannes Weniger hat mir erzählt, dass es Heimspeicher gibt, die nachts bei 100 Watt auf 86 % Wirkungsgrad kommen – und andere auf 54 %. Welches Gerät welches ist, steht in keinem Datenblatt.
Bei den 5.000 € bleibe ich vorsichtig. Der Effekt ist real, die Summe ist das Optimum. Und die KI muss ihre Messedemo erst im Alltag bestätigen.
Häufige Fragen zum SolarEdge Nexis
Deckt ein Gerät wirklich 8 bis 20 kW ab?
Ja, über das Multi-Range-Konzept. Der Installateur stellt die passende Leistung ein. Der Preis bleibt laut SolarEdge gleich und orientiert sich am kleineren Gerät.
Wie groß kann der Speicher werden?
Ein Block hat 4,65 kWh und 3,5 kW Leistung, maximal vier Blöcke passen in einen Turm. Kapazität und Leistung addieren sich bis zu 20 kW Entlade- und 28 kW Ladeleistung.
Was passiert bei Stromausfall?
Die dreiphasige Backup-Box übernimmt. Mit zwei Blöcken stehen 7 kW zur Verfügung, mit drei Blöcken 10,5 kW, maximal bis zu 20 kW.
Läuft das System auch ohne Internet?
Ja, der Betrieb läuft normal weiter. Du verlierst aber die Sichtbarkeit in der App, und im Garantiefall kann der Hersteller nicht nachvollziehen, was passiert ist.
Kann ich die Batterie selbst erweitern?
Technisch ließen sich die Blöcke einfach aufeinandersetzen, SolarEdge will das aber nicht. Ein zertifizierter Elektriker soll die Erweiterung in Betrieb nehmen.
Wo werden meine Daten gespeichert?
In Deutschland, auf Servern in Frankfurt. SolarEdge nennt drei Sicherheitsebenen: Gerätezugang, Netzwerkübertragung und Speicherung.
So bekommst du deine Beratung und dein unverbindliches Photovoltaik-Angebot
Wenn du wissen willst, was so ein System bei dir auf dem Dach kostet, kannst du über den Button unverbindlich anfragen. Die Anfrage geht an mein Netzwerk – du wirst beraten und bekommst ein System, das bei dir funktioniert.
Sonnige Grüße, Nils





