PVT-Wärmepumpe im Praxistest: JAZ 4,14 ohne Außengerät im Garten
- 2. Aug.
- 5 Min. Lesezeit
Ein Solardach im Januar ist ziemlich das Nutzloseste, was du auf dem Hausdach haben kannst. Matthias’ Anlage hat im ganzen Januar 194,9 kWh Strom erzeugt, gut 6 kWh am Tag. Verbraucht hat er im selben Monat über 1.000 kWh. Und trotzdem hat genau dieses Dach sein Haus durch den Winter geheizt – weil eine PVT-Wärmepumpe die Module nicht nur als Stromquelle nutzt.
PVT heißt: Strom und Wärme aus demselben Modul. Theorie findest du dazu im Netz reichlich. Was fast nirgends steht, sind echte Messwerte aus einem echten Haus über ein ganzes Jahr – auch im Winter. Genau die habe ich mir angeschaut.
*Das Video ist in bezahlter Kooperation mit Triple Solar entstanden (Werbung).
Matthias ist Heizungsbaumeister und arbeitet bei Triple Solar, dem Hersteller dieser Module. Er hat das System bei sich zu Hause verbaut – mit eigenem Wärmemengenzähler und eigenem Stromzähler. Ich habe ihn deshalb nicht nur gefragt, was das System kann, sondern auch, wo es versagt und für wen es nichts ist.
Die drei Zahlen vorab
Kennzahl | Wert |
Jahresarbeitszahl Heizen | 4,14 |
COP im Januar | 3,52 |
Autarkie Januar | 17 % |
Autarkie März | 97 % |
Aus einer Kilowattstunde Strom macht die Anlage also gut vier Kilowattstunden Wärme, und selbst im kältesten Monat bleibt sie über 3,5. Die dritte Zahl hat mich negativ überrascht: Im Januar kamen nur 17 % des Stroms für Haus, Wärmepumpe und Elektroauto vom eigenen Dach. Im März waren es 97 %.
Warum Matthias sich für eine PVT-Wärmepumpe entschieden hat
Er wollte keine Außeneinheit im Vorgarten und auch nichts hinten im Garten – beide Flächen wollte er nutzen. Vorher lief das Haus auf Gas: Beim Kauf war der Wechsel von Öl auf Gas nötig, nach sieben Jahren hat er die zwei Gasgeräte wieder rausgeworfen. Die Heizlast im Erdgeschoss liegt bei 4,3 kW, inklusive gemeinschaftlichem Flur und zwei Kellerräumen.
Ein Punkt, der oft untergeht: Draußen hört man nichts. Nicht ein bisschen weniger, sondern gar nichts. Die Inneneinheit ist laut Matthias nicht viel lauter als ein Kühlschrank.
Wie die PVT-Technik funktioniert – und warum das keine Solarthermie ist
Vorne ist das Modul ein ganz normales PV-Modul. Auf der Rückseite sitzt ein Lamellenwärmetauscher mit rund 15 m² Übertragungsfläche pro Modul, dazu Sammelrohre und ein Verbindungsrohr. Durch das System läuft ein Glykolgemisch.
Der entscheidende Unterschied zur Solarthermie: Solarthermie macht hohe Temperaturen und ist nur bei Sonneneinstrahlung sinnvoll nutzbar. Die PVT-Wärmepumpe geht mit einer Temperatur unterhalb der Außentemperatur zum Dach und entzieht der Außenluft Energie – ganzjährig, auch nachts, auch bei Minusgraden. Die Sonne ist ein willkommener Zusatzeffekt, aber keine Voraussetzung.
Für die Dimensionierung nennt Matthias eine klare Regel: Bei einer Norm-Außentemperatur bis -10 °C braucht man etwa 1,5 Module pro Kilowatt Heizleistung. Das sind rund 3 m² PV-Fläche und gut 20 m² Wärmetauscherfläche pro Kilowatt.
Was passiert, wenn Schnee und Eis auf den Modulen liegen?
Matthias hatte im Winter Module, die oben und seitlich eingeschneit waren – und die Anlage lief weiter. Solange unter den Lamellen noch Luftaustausch möglich ist, fällt die kalte Luft nach unten ab, neue Luft strömt nach, und es kommt weiter Energie aus der Luft.
Für den Fall, dass wirklich alles zufriert, gibt es inzwischen eine Abtaufunktion. Der Prozess läuft automatisch ab, muss aber manuell eingeschaltet werden – bewusst, damit keine Energie verschwendet wird. Dabei nutzt die Anlage Wärme aus den Heizkreisen und dem Pufferspeicher, um die Platten warm zu machen, sodass Schnee und Eis abrutschen.
Der Aufbau im Heizungskeller
Im Keller steht die Wärmepumpe 5.0 mit Kompressor, Umwälzpumpen, Elektronik und Heizstab. Der Heizstab war im letzten – kalten – Winter nicht im Einsatz: Die Anlage lief dauerhaft in niedriger Leistung mit gleichbleibender Raumtemperatur durch.
Das Warmwasser macht Matthias über eine separate Brauchwasserwärmepumpe, die schon zur Gaszeit verbaut wurde. Die PVT-Wärmepumpe könnte Brauchwasser ebenfalls, alle Anschlüsse sind vorhanden. Auf der Stromseite hängt ein Fronius Symo GEN24 10.0 Plus mit Batteriespeicher, an dem sowohl die PVT-Module als auch zusätzliche reine PV-Module auf der Südseite angeschlossen sind.
Die Januar-Messwerte im Detail
Januar-Wert | Menge |
erzeugte Heizenergie | 1.533,58 kWh |
benötigter Heizstrom | 435,08 kWh |
PV-Erzeugung im Haus | 194,9 kWh |
Zwei Einordnungen sind mir hier wichtig. Erstens: Die 194,9 kWh sind die gesamte Solarstromproduktion des Hauses im Januar, nicht nur der Teil, der in die Wärmepumpe geflossen ist – im selben Monat lädt auch das Elektroauto und der Haushalt läuft. Mit Speicher und E-Auto lässt sich nicht sauber sagen, wie viel davon die Heizung bekommen hat.
Zweitens: Die Jahresarbeitszahl von 4,14 ist eine reine Heizzahl. Das Warmwasser läuft über die Brauchwasserwärmepumpe und steckt hier nicht drin. In vielen veröffentlichten Wärmepumpenwerten ist Warmwasser dagegen enthalten – und Warmwasser drückt jede Wärmepumpe nach unten, weil höhere Temperaturen nötig sind. Der Vorsprung dieser Anlage ist echt, aber kleiner, als es im ersten Moment aussieht.
Was eine PVT-Wärmepumpe kostet – und warum die Förderung entscheidet
Matthias sagt: preislich vergleichbar mit einer vernünftigen Luft-Wasser-Wärmepumpe eines namhaften Herstellers plus PV-Anlage. Das klang für mich zuerst nach Standardantwort, also habe ich nachgerechnet, warum es trotzdem stimmen kann.
Der Grund ist die Förderung. Reine Solarmodule, die nur Strom machen, werden nicht gefördert. Ein PVT-Modul dagegen schon, weil es die Wärmequelle der Wärmepumpe ist. Bei der Berechnung wird für den reinen Stromanteil pauschal ein Betrag abgezogen – rund 1.500 € pro kWp. Und genau das entspricht etwa dem, was dich eine normale PV-Anlage pro kWp sowieso gekostet hätte.
Gefördert wird damit im Kern der thermische Aufpreis: der Wärmetauscher plus die Wärmepumpe. Ein Außengerät im Garten sparst du sich komplett. Deshalb landet man in einer ähnlichen Region wie bei PV plus Luft-Wasser-Wärmepumpe. Wie es bei dir aussieht, hängt an Anlagengröße, Fördersatz und Wärmebedarf – dafür braucht es ein Angebot. Und: Die Förderung wurde gerade neu aufgesetzt, prüfe den Stand also tagesaktuell.
Für wen die PVT-Wärmepumpe passt – und für wen nicht
Interessant ist sie laut Matthias für alle, die wenig Platz vor dem Gebäude haben und wo eine klassische Luftwärmepumpe schlecht hinkommt: dichtgebaute Siedlungen, Reihenhäuser, kleinere Einfamilienhäuser. Abgedeckt werden Heizlasten bis 5 kW, in der Duo-Variante bis 10 kW.
Nicht geeignet ist das System bei Einfamilienhäusern über etwa 15 kW Heizlast – da wird eine Luft-Wasser-Wärmepumpe irgendwann deutlich günstiger. Der begrenzende Faktor ist immer die verfügbare Dachfläche.
Mein Fazit zur PVT-Wärmepumpe
Die Technik liefert, was sie versprich: JAZ 4,14 fürs Heizen und 3,52 im Januar sind starke Werte, gemessen mit eigenem Wärmemengenzähler statt hochgerechnet. Kein Gerät im Garten, kein Geräusch draußen, und die Module arbeiten auch unter Schnee weiter.
Die ehrliche Kehrseite ist die 17-Prozent-Autarkie im Januar. Eine PVT-Wärmepumpe löst nicht das Grundproblem, dass im Winter kaum Strom vom Dach kommt. Sie macht aus der Dachfläche nur mehr, als reine PV es könnte – und das mit einer Effizienz, die sich sehen lässt.
Häufige Fragen zur PVT-Wärmepumpe
Ist PVT dasselbe wie Solarthermie?
Nein. Solarthermie erzeugt hohe Temperaturen und funktioniert nur bei Sonne. Die PVT-Wärmepumpe entzieht der Außenluft Energie – auch nachts und bei Minusgraden. Die Sonne verbessert die Leistung, ist aber keine Voraussetzung.
Funktioniert die Anlage bei Schnee auf dem Dach?
Ja. Matthias hatte eingeschneite Module und die Anlage lief weiter, weil unter den Lamellen noch Luft zirkuliert. Für den Fall von Eis gibt es eine Abtaufunktion, die manuell gestartet wird und Wärme aus dem Pufferspeicher nutzt.
Wie viele Module brauche ich pro Kilowatt Heizleistung?
Bei einer Norm-Außentemperatur bis -10 °C etwa 1,5 Module pro Kilowatt. Das entspricht rund 3 m² PV-Fläche und gut 20 m² Wärmetauscherfläche.
Ist eine PVT-Wärmepumpe teurer als eine Luft-Wasser-Wärmepumpe?
Laut Matthias liegt sie im Schnitt gleichauf mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe plus PV-Anlage. Der Grund ist die Förderfähigkeit: Reine PV wird nicht gefördert, PVT als Wärmequelle schon, wobei für den Stromanteil pauschal rund 1.500 € pro kWp abgezogen werden.
Kann das System auch Warmwasser machen?
Ja, die Wärmepumpe kann Brauchwasser, alle Anschlüsse sind vorbereitet. Matthias nutzt dafür aber weiter seine vorhandene Brauchwasserwärmepumpe – deshalb ist seine JAZ von 4,14 eine reine Heizzahl.
So bekommst du deine Beratung und dein unverbindliches Wärmepumpen-Angebot
Ob eine Wärmepumpe bei dir passt, entscheidet sich an Heizlast, Vorlauftemperatur und – bei PVT – an der verfügbaren Dachfläche. Über den Button kannst du unverbindlich eine Beratung und ein Angebot aus meinem Netzwerk anfragen.
Sonnige Grüße, Nils





