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Hydraulischer Abgleich bei der Wärmepumpe: Der Meister erklärt es

  • 12. März
  • 5 Min. Lesezeit

Bei mir stehen alle Thermostate auf fünf, und seit die Wärmepumpe läuft, drehe ich gar nicht mehr daran herum. Genau das hat mit dem hydraulischen Abgleich zu tun – und es ist ein gutes Zeichen, kein schlechtes.


Marcel von SHK Info ist Heizungsbauer-Meister und hat mir erklärt, warum das so ist, was Spreizung eigentlich bedeutet, was der Handwerker am Ventil wirklich einstellt und wie du dich danach selbst an die niedrigste Vorlauftemperatur herantastest.


Zur Einordnung mein System: ungedämmter Altbau, Heizlast rund 9,6 kW, Heizkörper mit 45 °C geplanter Vorlauftemperatur. Damit komme ich auf eine Jahresarbeitszahl von 3,6 – inklusive Warmwasser. So viel zum Thema „Altbau und Wärmepumpe funktioniert nicht".


Hydraulischer Abgleich bei der Wärmepumpe: Der Meister erklärt es



Warum Thermostate auf 5 kein Fehler sind


Am Thermostatkopf stellst du keine Leistung ein, sondern deine Wunschraumtemperatur. Die Stufe 5 steht für 28 °C – das steht sogar auf dem Kopf drauf. Bei mir werden es trotzdem nie 28 °C, sondern die geplanten 22 bis 23 °C.


Der Grund: Der Heizkörper wurde vorher an einer ganz anderen Stelle eingedrosselt, nämlich am Ventil unten. Dort wird der Durchfluss begrenzt, sodass der Raum gar nicht wärmer werden kann als vorgesehen. Wenn deine Räume bei voll geöffnetem Thermostat genau ihre Zieltemperatur erreichen, ist dein hydraulischer Abgleich gut einreguliert.


Schießt ein Raum bei voll geöffnetem Thermostat dagegen über seine Zieltemperatur hinaus, ist das ein Zeichen, dass am Ventil noch etwas weiter eingedrosselt werden könnte.


Was Spreizung bedeutet


Der Begriff ist für Fachleute selbstverständlich, für alle anderen nicht. Spreizung ist einfach die Differenz zwischen Vorlauf- und Rücklauftemperatur.


Beispiel: Das Wasser läuft mit 45 °C in den Heizkörper. Die kühlere Raumluft strömt unten ein, wird erwärmt und kommt oben warm wieder heraus – das nennt sich Konvektion. Dabei kühlt sich das Wasser ab, sagen wir auf 40 °C. Das ist eine Spreizung von 5 Kelvin.


Je größer die Spreizung, desto mehr Wärme gibt der Heizkörper an den Raum ab. Entscheidend ist dabei die mittlere Übertemperatur: Bei 45 °C Vorlauf und 40 °C Rücklauf liegt die mittlere Temperatur bei 42,5 °C. Bei 22 °C Raumtemperatur ergibt das eine mittlere Übertemperatur von 20,5 Kelvin. Je höher dieser Wert, desto mehr Leistung kann der Heizkörper abgeben.


Warum du die Spreizung nicht frei wählen kannst


Mit einer Wärmepumpe willst du eine kleine Spreizung. Nur lässt sich das nicht einfach an allen Heizkörpern gleich einstellen, weil die Heizkörper unterschiedlich dimensioniert sind.


Erhöhst du den Volumenstrom, strömt das Wasser schneller durch, die Spreizung sinkt und die mittlere Übertemperatur steigt – der Heizkörper gibt in dem Moment mehr Leistung ab. Die Spreizung ist also kein Wunschwert, sondern ein Ergebnis: Du stellst die benötigte Leistung ein, und die passende Spreizung stellt sich von selbst ein. An jedem Heizkörper anders. Im Rücklauf mischen sich alle Stränge wieder zu einer Gesamtspreizung des Heizkreises.


Warum der hydraulische Abgleich über die Effizienz entscheidet


Kein Heizkörper darf überversorgt sein – und keiner unterversorgt. Der unterversorgte Heizkörper war früher das größte Problem.


Typischer Fall: Das Bad soll am wärmsten sein, liegt im Obergeschoss und ist damit am weitesten von der Heizung im Keller entfernt. Je länger die Leitung, desto mehr Druckdifferenz brauchst du dorthin. Früher hat man das gelöst, indem man die Vorlauftemperatur hochgeschraubt und die Heizkreispumpe hochgedreht hat.


Die Folge: Alle anderen Räume waren völlig überversorgt und haben ihre Zieltemperatur viel zu schnell erreicht. Im Wohnzimmer hat man geschwitzt und deshalb das Thermostat auf 3 gedreht. Dazu kommen die Ineffizienzen der hohen Vorlauftemperatur und ein deutlich höherer Stromverbrauch der Heizkreispumpe – ein Meter mehr Förderhöhe treibt den Verbrauch überproportional nach oben.


Bei einem sauber abgeglichenen System sind dagegen alle Thermostate offen. Damit hast du immer Volumenstrom in der Anlage, was für den Wärmepumpenbetrieb ideal ist, weil sie nicht taktet.


Was der Handwerker am Ventil tatsächlich macht


Ich habe die Heizlast und den Abgleich nicht selbst mit Messgeräten ermittelt, sondern mit dem Heizreport gerechnet: Räume aufgemessen, Heizlast berechnet, Heizflächen eingegeben – und am Ende bekam ich den hydraulischen Abgleich. Damit bin ich nicht losgelaufen, sondern habe ihn meinem Handwerker gegeben.


Der kontrolliert dann die Ventile: Differenzdrücke, Volumenströme, Förderhöhe. Unter Umständen müssen andere Ventile eingebaut werden, denn es gibt Ventile für besonders kleine und für besonders große Volumenströme. Werden Differenzdrücke überschritten, kann das Ventil rauschen, schlagen oder klappern. Im Heizreport erscheinen dafür rote Warnmeldungen.


Statischer und dynamischer Abgleich


Art

Wie eingestellt wird

statisch

feste Voreinstellung am Ventil, Skala 1 bis 8 über den KV-Wert

dynamisch

direkte Vorgabe der Literzahl, Stufe 5 entspricht 50 l/h


Beim statischen Abgleich schaust du dir das Ventil von innen an: Das Wasser strömt durch einen kleinen Schlitz. Auf Stufe 8 ist die Öffnung groß, auf Stufe 4 deutlich kleiner – das Ventil baut einen größeren Widerstand und damit einen größeren Differenzdruck auf, es fließt weniger Wasser.


Das dynamische Ventil regelt dagegen immer auf den eingestellten Durchfluss, egal was im Heizkreis passiert. Auch wenn andere Heizkörper öffnen oder schließen, hält es den Wert konstant.


Was besser ist? Marcel sagt ganz ehrlich: Das ist eine Philosophiefrage unter Handwerkern, ungefähr so wie katholisch oder evangelisch. Manche schwören auf statisch, viele nehmen dynamisch, weil es einfacher ist und sich selbst anpasst. Beides hat Vor- und Nachteile.


Wichtig für die Förderung: das VDZ-Formular


Für die Förderung brauchst du das sogenannte VDZ-Formular. Darin bestätigt ein Sachverständiger, der Heizungsbauer oder ein Energieberater mit seiner Unterschrift, dass der hydraulische Abgleich ordnungsgemäß durchgeführt und dokumentiert wurde.


Der Praxistipp: Vorlauftemperatur von unten herantasten


In jeder theoretischen Berechnung stecken Sicherheiten – in der Heizlast und in den Volumenströmen. Deshalb kannst du bei der Inbetriebnahme ruhig ein paar Grad tiefer einsteigen.


Konkret: Wenn 45 °C geplant sind, fang bei einem Heizkörpersystem einfach mit 40 °C an. Irgendwann kommt ein Tag, an dem es knapp wird. Dann erhöhst du langsam, wartest ein bis zwei Tage und tastest dich so an den niedrigsten möglichen Punkt heran. Bei mir sind es aktuell 42 bis 43 °C.


In der Übergangszeit merke ich sofort, wenn es in den Räumen zu warm wird, und senke die Heizkurve dann von Hand wieder etwas ab. Ob man die Heizkurve parallel verschiebt oder die Steilheit ändert, ist noch einmal ein Thema für sich.


Und noch etwas: Der gerechnete Abgleich bringt dich auf rund 80 % des Ergebnisses. Der Rest ist Feinjustierung, die du selbst machen kannst. Wird ein Raum bei voll geöffnetem Ventil zu warm, drosselst du leicht ein und tastest dich an den optimalen Punkt heran.


Mein Fazit zum hydraulischen Abgleich


Der hydraulische Abgleich klingt komplizierter, als er in der Umsetzung ist. Rechnen lassen, dem Handwerker geben, einstellen lassen – und danach selbst optimieren. Denn ein Handwerker schaut nicht jeden Tag auf deine Anlage.


Bei einer Wärmepumpe gehört dieses Nachjustieren dazu, ähnlich wie beim Auto, wo du auch merkst, bei welcher Geschwindigkeit du wie viel verbrauchst. Nur ist die Rückmeldung bei der Heizung träger. Mein Ergebnis: JAZ 3,6 im ungedämmten Altbau mit Heizkörpern – das geht.


Häufige Fragen zum hydraulischen Abgleich


Sollen die Thermostate bei einer Wärmepumpe offen stehen?


Ja. Bei einem sauber abgeglichenen System stehen alle Thermostate offen. So ist immer Volumenstrom in der Anlage, und die Wärmepumpe taktet nicht.


Was bedeutet die Stufe 5 am Thermostat?


Sie steht für eine Wunschraumtemperatur von 28 °C. Erreicht wird sie nicht, weil der Heizkörper am Ventil bereits auf die geplante Leistung eingedrosselt ist.


Große oder kleine Spreizung bei der Wärmepumpe?


Grundsätzlich eine kleine. Frei wählen kannst du sie aber nicht – sie ergibt sich aus der Heizkörpergröße und der benötigten Raumwärme.


Statischer oder dynamischer Abgleich?


Beides funktioniert. Dynamische Ventile sind einfacher zu rechnen und passen sich an Veränderungen im Heizkreis an. Unter Handwerkern ist das eine Philosophiefrage.


Brauche ich den Abgleich für die Förderung?


Ja. Das VDZ-Formular muss von einem Fachbetrieb, Sachverständigen oder Energieberater unterschrieben werden und dokumentiert den ordnungsgemäßen Abgleich.


Wie finde ich die niedrigste Vorlauftemperatur?


Von unten herantasten. Starte einige Grad unter dem geplanten Wert, warte auf den ersten kritischen Tag und erhöhe dann schrittweise, jeweils mit ein bis zwei Tagen Beobachtung.


So bekommst du deine Beratung und dein unverbindliches Wärmepumpen-Angebot


Heizlast, Vorlauftemperatur und hydraulischer Abgleich gehören vor der Planung geklärt – nicht danach. Über den Button kannst du unverbindlich eine Beratung und ein Angebot aus meinem Netzwerk anfragen.



Sonnige Grüße, Nils

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