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PV-Speicher: Rechnung zeigt, wann er rausgeschmissenes Geld ist

  • 26. Mai
  • 4 Min. Lesezeit


Ein Stromspeicher bringt mehr Autarkie, mehr Unabhängigkeit, mehr Ersparnis – so die verbreitete Annahme. Die Realität ist differenzierter. Ich habe konkrete Zahlen aus dem Solarisator der HTW Berlin für eine 24-kWp-PV-Anlage mit 5.000 kWh Jahresverbrauch durchgerechnet: ohne Speicher, mit 9 kWh, mit 18 kWh und mit 27 kWh. Das Ergebnis ist eindeutig – aber anders als viele erwarten.


In diesem Beitrag zeige ich dir die konkreten Berechnungen Schritt für Schritt – was ein Speicher wirklich bringt, ab wann der Effekt abnimmt, und was ich dir aus der Praxis mitgeben würde.


Das komplette Video ansehen:


Lohnt sich ein PV-Speicher wirklich? Die ehrliche Rechnung – auf YouTube ansehen


Was bringt eine PV-Anlage ohne Speicher?


Als Ausgangssituation dient mein neues Haus: 24 kWp PV-Anlage auf Ost-West-Dach, 5.000 kWh Jahresverbrauch im Haushalt plus E-Auto (2.160 kWh/Jahr bei 12.000 km), kein Speicher. Strompreis: 28 Cent/kWh, Einspeisevergütung: 7,2 Cent/kWh (Mischvergütung aus zwei Vergütungsstufen).


Ergebnis ohne Speicher: 38 % Autarkie, 289 Euro Ersparnis pro Jahr. Die Anlage kostet 21.022 Euro. Amortisationszeit: 21.022 ÷ 289 = nur mit 289 Euro Ersparnis ohne Speicher wäre das allein eine sehr lange Amortisation. Aber mit Eigenverbrauch des selbst erzeugten Stroms (inklusive Elektroauto) ergibt sich aus dem Solarisator 2.089 Euro Gesamtersparnis pro Jahr. Amortisationszeit: 21.022 ÷ 2.089 = 10,06 Jahre.


Was verändert ein 9-kWh-Speicher an Autarkie und Amortisation?


Der erste Speicherblock mit 9 kWh ist der entscheidende Schritt. Die Autarkie springt von 38 % auf 70 % – fast eine Verdopplung. Die jährliche Ersparnis steigt auf 2.539 Euro. Die Anlage inkl. Speicher kostet jetzt 24.417 Euro.


Amortisationszeit: 24.417 ÷ 2.539 = 9,61 Jahre. Das heißt: Mit Speicher amortisiert sich die Anlage schneller als ohne. Mehr Investition, aber auch deutlich mehr Einsparung. Der Hebel des ersten Speichers ist groß.


Lohnt es sich, den Speicher auf 18 kWh zu verdoppeln?


Hier beginnt das Bild zu kippen. Mit 18 kWh Speicher steigt die Autarkie auf 81 % – also 11 % mehr als mit 9 kWh. Die jährliche Ersparnis steigt von 2.539 auf 2.692 Euro. Das sind 153 Euro mehr pro Jahr.


Die Anlage mit 18 kWh Speicher kostet 27.812 Euro. Amortisationszeit: 27.812 ÷ 2.692 = 10,33 Jahre. Die Amortisation dauert also länger als mit 9 kWh. Der Speicher kostet mehr, als er zusätzlich einspart. 153 Euro mehr Ersparnis pro Jahr rechtfertigen die Mehrkosten von über 3.000 Euro für einen zweiten Speicherblock nicht.


Was bringt ein noch größerer Speicher mit 27 kWh?


Mit 27 kWh Speicher kommen wir auf 84 % Autarkie – 3 % mehr als mit 18 kWh. Die Ersparnis steigt auf 2.731 Euro pro Jahr. Die Gesamtkosten liegen bei 31.207 Euro. Amortisationszeit: 31.207 ÷ 2.731 = 11,43 Jahre.


Jeder zusätzliche Speicherblock schiebt die Amortisationszeit weiter nach hinten. Man bekommt nur noch 3 % mehr Autarkie für über 3.000 Euro Mehrausgaben. Der Grenznutzen des Speichers sinkt drastisch.


Speichergröße

Autarkie

Ersparnis/Jahr

Gesamtkosten

Amortisation

Ohne Speicher

38 %

2.089 €

21.022 €

10,06 Jahre

9 kWh Speicher

70 %

2.539 €

24.417 €

9,61 Jahre

18 kWh Speicher

81 %

2.692 €

27.812 €

10,33 Jahre

27 kWh Speicher

84 %

2.731 €

31.207 €

11,43 Jahre


Wann macht ein großer Speicher trotzdem Sinn?


Wirtschaftlichkeit ist nicht alles. Es gibt gute Gründe für einen größeren Speicher, die nichts mit Amortisation zu tun haben. Erstens: Absicherung bei Stromausfall. Wer bei einem Blackout den Haushalt weiterversorgen möchte, braucht zusätzliche Kapazität als Reserve (z. B. 5 kWh Notfallreserve). Zweitens: Hohe Ladeleistung. Bei Systemen mit C-Rate 0,5 bedeutet ein größerer Speicher auch mehr Ladeleistung – relevant bei Sauna, Industriewaschmaschine oder Schnellladung des E-Autos.


Auch wer negativen Börsenstrompreisen (Nulleinspeisung in der Mittagsspitze) entkommen will, kann einen größeren Speicher bevorzugen. Doch hier bietet die Sonnefreihaus-Stromcommunity (Energy Sharing) bald eine Alternative: Überschüssiger Strom wird an andere Community-Mitglieder verkauft – mit echter Vergütung.


Wie beeinflusst das Verbrauchsprofil die optimale Speichergröße?


Kein Verbrauchsprofil ist wie das andere. Wann verbrauchst du Strom? Morgens beim Frühstück? Abends beim Kochen? Tagsüber, wenn die Sonne scheint? Wer tagsüber zu Hause ist und das E-Auto direkt mit Solarstrom laden kann, braucht weniger Speicher als jemand, der erst abends nach Hause kommt.


Auch die Ladeleistung des Speichers spielt eine Rolle: Ein Speicher mit geringer Ladeleistung (z. B. 3 kW) kann in der Mittagszeit nicht schnell genug laden, wenn die PV-Anlage 10+ kW erzeugt. Dann verpufft Solarstrom ins Netz, egal wie groß der Speicher ist.


Meine Empfehlung: Nutze den Solarisator der HTW Berlin, um deine eigene Situation einmal konkret durchzurechnen. Er ist kostenlos und zeigt dir, was verschiedene Speichergrößen bei deinem spezifischen Verbrauch, deiner PV-Leistung und deinem Strompreis wirklich bringen.


Fazit: Lohnt sich ein großer PV-Speicher?


Der erste Speicherblock (9 kWh) ist in den meisten Situationen eine gute Investition: Er bringt die größte Verbesserung bei Autarkie und Einsparung bei moderaten Mehrkosten. Ab dem zweiten Block nimmt der Grenznutzen stark ab – mehr Kosten, weniger zusätzlicher Nutzen. Mehr Speicher bedeutet nicht automatisch mehr Wirtschaftlichkeit, sondern oft das Gegenteil.


Meine Empfehlung: Klein anfangen, modular denken. Lieber mehr Leistung aufs Dach als mehr Kapazität in den Keller.


Häufige Fragen


Wie viel Autarkie bringt ein 9-kWh-Speicher?


In dem berechneten Szenario (24 kWp, 5.000 kWh Jahresverbrauch, E-Auto): von 38 % ohne Speicher auf 70 % mit 9 kWh Speicher. Das entspricht fast einer Verdopplung der Autarkie.


Ab wann lohnt sich ein Speicher wirtschaftlich nicht mehr?


Ab dem zweiten Speicherblock (18 kWh in diesem Szenario) steigt die Amortisationszeit wieder an. Jeder weitere Block verstärkt diesen Effekt. Die zusätzliche Einsparung von 153 Euro pro Jahr rechtfertigt die Mehrkosten von über 3.000 Euro nicht.


Wie berechne ich die richtige Speichergröße für mich?


Der Solarisator der HTW Berlin ist das beste kostenlose Tool dafür. Gib deinen Jahresverbrauch, die PV-Leistung, den Strompreis und die Einspeisevergütung ein und variiere die Speichergröße – du siehst sofort, wie sich Autarkie und Amortisation verändern.


Bringt Energy Sharing eine Alternative zum großen Speicher?


Ja – wer überschüssigen Solarstrom normalerweise ins öffentliche Netz für wenig Geld einspeist, kann ihn über Energy Sharing an andere Community-Mitglieder verkaufen und dabei eine höhere Vergütung erzielen. Das macht einen zweiten Speicherblock in vielen Fällen überflüssig.


Jetzt Angebot anfordern und Speichergröße richtig planen


Du möchtest wissen, welche PV-Anlagengröße und welcher Speicher zu deiner Situation passt? Ich vermittle unverbindlich und kostenlos an Installateure aus meinem Netzwerk – ehrlich, ohne Verkaufsdruck.



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