Photovoltaik und Speicher: So planst du die Größe richtig!
- 3. März
- 4 Min. Lesezeit
Photovoltaik und Speicher richtig zu planen ist eine der häufigsten Fragen, die mir Leser und Zuschauer stellen. Wie groß soll die PV-Anlage sein? Welche Speichergröße passt? Viele Berechnungen, die im Internet kursieren oder von Installateuren präsentiert werden, sind leider falsch oder zumindest missverständlich. Ich zeige dir, worauf du wirklich achten musst.
Der häufigste Denkfehler: Viele gehen davon aus, dass ein größerer Speicher automatisch mehr Autarkie bedeutet. Das stimmt aber nur begrenzt. Ich habe in meiner eigenen Anlage erlebt, dass der Sprung von 10 auf 20 kWh Speicherkapazität kaum mehr Autarkie bringt – der Ertragspeak von PV-Anlagen im Sommer ist so hoch, dass auch 10 kWh abends voll geladen sind. Die Herausforderung liegt woanders: im Winter, wenn kaum Ertrag da ist.
Das komplette Video mit allen Berechnungen und konkreten Empfehlungen findest du hier:
Welche PV-Größe passt zu meinem Haushalt?
Die PV-Größe sollte sich am Jahresverbrauch orientieren – aber nicht nach der einfachen Faustregel '1 kWp pro 1.000 kWh Verbrauch'. Diese Formel unterschlägt wichtige Faktoren wie Verschattung, Dachneigung, Ausrichtung und das Verbrauchsprofil im Tagesverlauf. Ein Haushalt mit 4.000 kWh Jahresverbrauch braucht unter günstigen Bedingungen etwa 4–5 kWp, aber die Frage ist: Wann wird der Strom verbraucht?
Wer tagsUber viel zu Hause ist – zum Beispiel im Home Office oder mit Großgeräten tagsUber – profitiert stärker von einer größeren PV-Anlage ohne Speicher als jemand, der alles abends verbraucht. Das Verbrauchsprofil ist entscheidend.
Wie groß sollte der Speicher sein?
Als Faustregel gilt: 1 kWh Speicher pro kWp PV-Leistung. Bei einer 8 kWp-Anlage also rund 8 kWh Speicher. Das deckt für die meisten Haushalte einen Sommerabend gut ab. Mehr als 1,5 kWh pro kWp bringt in der Praxis kaum noch Mehrnutzen – außer bei sehr hohem Abendverbrauch oder E-Auto-Laden.
Ich habe selbst beobachtet: Mein Speicher ist im Sommer jeden Abend voll geladen – mit einer Kapazität, die zum PV-Ertrag passt. Mehr Kapazität wäre im Sommer verschwendet. Im Winter dagegen ist der Speicher oft schon mittags wieder leer, weil so wenig Ertrag ankommt. Hier hilft auch eine Vergrößerung nichts.
Welche typischen Fehler passieren bei der Planung?
Fehler 1: Der Installateur rechnet mit unrealistischen Ertragsprognosen. Aussagen wie '900 kWh pro kWp und Jahr' klingen gut, sind aber nur für perfekt ausgerichtete Südanlagen ohne Verschattung realistisch. Ost-West-Anlagen liegen bei 700–800 kWh.
Fehler 2: Die Amortisationsrechnung berücksichtigt jährliche Strompreissteigerungen von 3–5 %. Diese können die Rechnung optisch stark verbessern – ob sie eintreten, ist aber unsicher. Ich rechne immer mit einem konstanten Strompreis und betrachte die Preissteigerung als möglichen Bonus, nicht als Planungsgrundlage.
Fehler 3: Der Speicher wird zu groß geplant. Ein 20-kWh-Speicher kostet erheblich mehr als ein 10-kWh-Speicher, bringt aber in vielen Situationen kaum mehr Autarkie. Das Geld ist besser in mehr PV-Module investiert.
Wie berechne ich den optimalen Eigenverbrauch?
Der Schlüssel ist das Lastprofil deines Haushalts. Wenn du weist, wann du wie viel Strom verbrauchst – idealerweise auf 15-Minuten-Basis – lässt sich genau simulieren, wie viel Eigenverbrauch PV mit und ohne Speicher ermöglicht. Viele Netzbetreiber stellen diese Daten über einen Smart Meter bereit.
Ohne diese Daten hilft eine grobe Näherung: Ein Haushalt mit 4.000 kWh Jahresverbrauch erreicht mit einer 8-kWp-Anlage und 8 kWh Speicher etwa 60–70 % Autarkie. Mit E-Auto und Wärmepumpe sinkt der Wert auf 35–50 %, weil der Verbrauch deutlich höher und zeitlich schwerer planbar ist.
Was kostet die Planung und lohnt sich ein Energieberater?
Eine professionelle Energieberatung kostet zwischen 200 und 800 € – ist aber bei größeren Investitionen oft sinnvoll. Sie hilft, Fehlinvestitionen zu vermeiden und Schnittstellen zu Wärmepumpe, E-Auto-Ladepunkt und Energiemanagementsystem richtig zu planen. Alternativ kannst du Simulationstools wie PVGIS oder den Speicherrechner der HTW Berlin nutzen.
Fazit:
Die richtige Größe für PV und Speicher hängt immer von deinem persönlichen Verbrauchsprofil ab. Meine Empfehlung: Lieber etwas mehr PV-Fläche, dafür einen Speicher in der Größenordnung 1 kWh pro kWp. Vermeide überdimensionierte Speicher – sie erheblichen Mehrkosten bringen kaum zusätzliche Autarkie. Und rechne immer ohne Strompreissteigerungen, damit du auf der sicheren Seite bist.
Häufige Fragen
Wie viel kWp PV brauche ich für 5.000 kWh Jahresverbrauch?
Als Orientierung: Bei einem Ertrag von 850 kWh pro kWp (Süd, keine Verschattung) brauchst du etwa 6 kWp, um 5.000 kWh zu erzeugen. Da du aber einen Teil einspeist, sollte die Anlage größer sein – 8–10 kWp sind für 5.000 kWh Eigenverbrauch realistisch.
Brauche ich für eine 10-kWp-Anlage unbedingt einen Speicher?
Nein, kein Muss. Ohne Speicher sinkt die Autarkie, aber du hast weniger Investitionskosten und keine Batteriedegradation. Bei niedrigen Einspeisevergütungssätzen unter 10 Cent lohnt sich ein Speicher jedoch in den meisten Fällen.
Welche Speichergröße ist ideal für eine 8-kWp-Anlage?
Für eine 8-kWp-Anlage empfehle ich 7–10 kWh Speicherkapazität. Das deckt für einen Durchschnittshaushalt den Abendbedarf gut ab. Größere Speicher lohnen sich nur bei sehr hohem Abendverbrauch oder E-Auto-Laden.
Macht ein Second-Life-Speicher bei der Planung Sinn?
Second-Life-Speicher aus E-Auto-Batterien sind deutlich günstiger, haben aber geringere Effizienz und kürzere Restlebensdauer. Für die Erstinstallation empfehle ich neue LFP-Speicher mit Herstellergarantie.
Was kostet ein typisches PV-Speicher-Paket 2025?
Ein vollständiges PV-Speicher-System mit 8 kWp und 10 kWh Speicher kostet 2025 je nach Hersteller und Installateur zwischen 18.000 und 28.000 € brutto. Die Preise sind in den letzten Jahren deutlich gesunken – vor allem für Module.

