Photovoltaik-Anlage dreht sich mit der Sonne – lohnt sich ein Solar-Tracker?
- 18. Juni 2023
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 4 Tagen
Ich beantworte die Frage, ob es sich lohnt, eine Photovoltaikanlage zu bauen, die sich mit der Sonne dreht – also ein Solar-Tracker-System. Solche Nachführungsanlagen versprechen deutlich mehr Ertrag als fest montierte Anlagen. Ich schaue mir an, was dahintersteckt und für wen sich das wirklich rechnet.
Was ist ein Solar-Tracker und wie funktioniert er?
Ein Solar-Tracker ist ein Nachführungssystem, das Solarmodule kontinuierlich in Richtung der Sonne dreht. Einachsige Tracker drehen die Module von Ost nach West (folgen dem Tagesverlauf), zweiachsige Tracker passen auch den Höhenwinkel an. Ein interner Sensor oder astronomische Berechnungen bestimmen die aktuelle Sonnenposition, ein Motor dreht die Anlage entsprechend nach.
Wie viel mehr Ertrag bringt eine nachgeführte PV-Anlage?
Einachsige Tracker steigern den Ertrag typischerweise um 20 bis 30 Prozent gegenüber einer fest montierten Anlage mit südlicher Ausrichtung. Zweiachsige Tracker erreichen bis zu 40 Prozent Mehrtrag. Der Gewinn ist besonders morgens und abends spürbar, wenn die Sonne tief steht und eine feste Anlage nur einen Teil der verfügbaren Strahlung nutzt.
Was kostet ein Solar-Tracker-System im Vergleich zu einer Festanlage?
Solar-Tracker sind deutlich teurer als Festmontagesysteme. Die Mechanik, der Motor und die Steuerung kosten extra. Dazu kommen höhere Wartungsaufwendungen durch bewegliche Teile. Die Mehrkosten müssen durch den höheren Ertrag amortisiert werden. Für private Dachanlagen rechnet sich ein Tracker in den wenigsten Fällen.
Für wen lohnt sich ein Solar-Tracker?
Solar-Tracker lohnen sich vor allem für Freiflächenanlagen, große gewerbliche Anlagen auf Flächen ohne Dachbindung und Regionen mit hoher Direktstrahlung (z.B. Südeuropa). Für typische deutsche Einfamilienhausdachanlagen sind sie ungeeignet: zu teuer, zu komplex, und das Dach erlaubt die nötige Mechanik oft gar nicht.
Gibt es einfachere Alternativen zum Solar-Tracker?
Für Hausbesitzer gibt es praktischere Möglichkeiten, den Eigenverbrauch zu erhöhen: Module auf Ost- und Westdach montieren streckt die Einspeisung über den Tag, ohne bewegliche Teile. Ein Speicher puffert Überschuss und erhöht die Autarkie. Diese Lösungen sind wartungsarm und ekonomisch sinnvoller.
Solar-Tracker vs. Festanlage – der Vergleich
Festanlage Süd: einfach, günstig, wartungsarm | Ost-West-Anlage: bessere Ertragsverteilung, kein Tracker nötig | Einachsiger Tracker: +20-30% Ertrag, höhere Kosten | Zweiachsiger Tracker: +40% Ertrag, höchste Kosten, nur für Freiflächen
Fazit: Interessante Technologie, aber meist keine Option für Privathaushalte
Solar-Tracker sind eine faszinierende Technologie und bringen definitiv mehr Ertrag. Für das klassische Eigenheim sind sie aber in den allermeisten Fällen nicht wirtschaftlich. Besser: Eine gut dimensionierte Festanlage mit Speicher und, wo möglich, Ost-West-Aufteilung.
FAQ: Solar-Tracker und PV-Nachführung
Kann ich einen Solar-Tracker auf meinem Hausdach montieren?
In der Regel nein. Dachanlagen sind fest montiert. Ein Tracker benötigt Platz für die Bewegung, einen stabilen Untergrund und eine entsprechende Baugenehmigung. Freiflächen sind der typische Einsatzort.
Wie viel Wartung benötigt ein Solar-Tracker?
Solar-Tracker haben bewegliche Teile (Motor, Lager, Gestell), die regelmäßig gewartet werden müssen. Das erhöht die laufenden Kosten im Vergleich zu wartungsarmen Festanlagen.
Lohnen sich Tracker bei diffusem Licht (bewölktem Himmel)?
Nein. Bei bedecktem Himmel kommt das Licht diffus aus allen Richtungen, ein Tracker bringt dann keinen Vorteil. Der Mehrertrag entsteht nur bei Direktstrahlung.
Gibt es Mini-Tracker für den Balkon oder Garten?
Ja, es gibt kleine nachführende Systeme für Balkone oder Gärten. Diese sind aber eher Gadgets und für ambitionierte Selbstbauer gedacht. Die Wirtschaftlichkeit gegenüber einem festen Balkonkraftwerk ist fraglich.





