Heizstab bei PV: Clevere Lösung oder teurer Denkfehler?
- 19. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Ein Heizstab zur Nutzung von PV-Überschuss klingt verlockend einfach: Überschuss rein, Warmwasser raus. Ich habe mich intensiv mit dieser Frage auseinandergesetzt und gemeinsam mit Marco von SHK Info die Kosten, die Effizienz und die Szenarien durchgerechnet, in denen ein Heizstab wirklich Sinn ergibt – und in denen er schlicht Geld verbrennt.
Die Anschaffungskosten eines Heizstabs beginnen bei etwa 200–500 €, klingen also überschaubar. Aber die entscheidende Frage ist: Wie teuer kommt mich die damit erzeugte Kilowattstunde Wärme – und wie vergleicht sich das mit einer Wärmepumpe? Die Antwort überrascht viele.
Wer seinen PV-Überschuss intelligent nutzen will, muss die Effizienz in den Mittelpunkt stellen. Ich zeige dir, wann ein Heizstab sinnvoll ist und wann du mit einer Wärmepumpe deutlich besser fährst.
Wie funktioniert ein Heizstab mit PV-Überschuss?
Ein Heizstab – auch Tauchsieder oder Elektroheizstab genannt – wird in den Warmwasserpuffer oder den Heizungspuffer eingebaut und wandelt überschüssigen Solarstrom direkt in Wärme um. Er funktioniert mit einem Wirkungsgrad von nahezu 100 %: Aus 1 kWh Strom wird 1 kWh Wärme. Klingt gut. Das Problem liegt aber genau hier: Eine Wärmepumpe schafft aus 1 kWh Strom eine Arbeitszahl (COP) von 3–5, liefert also 3–5 kWh Wärme.
Ein Heizstab macht daher vor allem dann Sinn, wenn bereits ein Warmwasserpuffer vorhanden ist (z. B. bei Ölheizung oder Gasheizung) und der Überschuss sonst ins Netz eingespeist würde. Ohne Wärmepumpe und ohne anderen Speicher ist er oft die günstigste Nachrüstoption.
Was kostet die Kilowattstunde Wärme mit einem Heizstab?
Ich habe die Kosten durchgerechnet. Wenn meine PV-Anlage Überschuss erzeugt und ich diesen statt einzuspeisen (ca. 8 Cent/kWh Vergütung) in den Heizstab leite, dann kostet mich die Kilowattstunde Wärme rechnerisch die entgangene Vergütung – also rund 8 Cent. Das klingt günstig.
Verglichen damit: Eine Wärmepumpe mit COP 4 kostet bei einem Strompreis von 8 Cent (Opportunitätskosten) für 4 kWh Wärme ebenfalls nur 8 Cent, liefert aber das Vierfache. Für dieselben 8 Cent Opportunitätskosten bekomme ich mit der Wärmepumpe 4 kWh Wärme, mit dem Heizstab nur 1 kWh. Das ist der entscheidende Denkfehler.
Gerät | Wirkungsgrad / COP | Wärme pro 1 kWh Strom | Anschaffungskosten |
Heizstab | ~100 % (1:1) | 1 kWh Wärme | 200–500 € |
Wärmepumpe (Luft/Wasser) | COP 3–5 | 3–5 kWh Wärme | 10.000–20.000 € |
Wann macht ein Heizstab bei PV wirklich Sinn?
Aus meiner Sicht gibt es drei Szenarien, in denen ein Heizstab sinnvoll ist:
1. Du hast bereits eine Gasheizung mit Warmwasserpuffer und willst PV-Überschuss nutzen, ohne die gesamte Heizungsanlage zu erneuern. Der Heizstab ergänzt das bestehende System kostengünstig.
2. Dein PV-Speicher ist bereits voll und der Überschuss geht sonst ins Netz. Hier kann ein Heizstab zumindest den Ertrag noch teilweise nutzen, statt ihn für 8 Cent/kWh einzuspeisen.
3. Eine Wärmepumpe ist langfristig geplant, aber aktuell noch nicht finanzierbar. Der Heizstab überbrückt die Zeit mit sehr geringen Investitionskosten.
Wann ist der Heizstab ein teurer Denkfehler?
Wer plant, langfristig mit PV und Heizstab zu heizen, macht einen grundlegenden Fehler. Bei 1.500–2.000 kWh Heizwärmebedarf im Sommer (Warmwasser) und einem COP von 1 beim Heizstab vs. COP 4 bei der Wärmepumpe bedeutet das: Ich brauche viermal so viel PV-Ertrag für dieselbe Wärmemenge. Das lohnt sich nur, wenn der Überschuss ohnehin ins Netz gehen würde.
Ein weiteres Problem: Viele Anbieter verkaufen Heizstab-Systeme mit Energiemanagementsystem für 1.500–3.000 € als vollwertige PV-Überschusslösung. Meine Meinung: Das ist meist überteuert. Eine einfache Regelung reicht, und die Investition rechnet sich oft nicht gegenüber einem gut geplanten PV-Speicher.
Heizstab oder Wärmepumpe: Was empfiehlt der Fachmann?
Marco von SHK Info bringt es auf den Punkt: Wer langfristig plant, sollte direkt in eine Wärmepumpe investieren. Die höheren Anschaffungskosten amortisieren sich durch die viermal höhere Effizienz und die deutlich günstigeren Betriebskosten. Der Heizstab ist eine taktische Übergangslösung – kein strategisches Heizsystem.
Mein Fazit aus der Praxis: Für Bestandsgebäude mit Öl- oder Gasheizung, bei denen ein Puffer vorhanden ist und der PV-Überschuss sonst einfach eingespeist würde, kann ein Heizstab für 200–300 € eine sinnvolle Ergänzung sein. Aber als Ersatz für eine Wärmepumpe oder als Hauptheizsystem? Definitiv nein.
Fazit:
Ein Heizstab bei der PV-Anlage ist eine günstige Ergänzung für sehr spezifische Situationen – nämlich wenn ein Puffer vorhanden ist und der Überschuss sonst verloren gehen würde. Als vollwertige Heizlösung oder als Alternative zur Wärmepumpe ist er jedoch ein teurer Denkfehler. Die viermal bessere Effizienz der Wärmepumpe schlägt jeden Heizstab bei der langfristigen Kostenrechnung.
Häufige Fragen
Lohnt sich ein Heizstab bei einer PV-Anlage?
Ein Heizstab lohnt sich bei PV, wenn bereits ein Warmwasserpuffer vorhanden ist und PV-Überschuss sonst ins Netz eingespeist würde. Als vollwertige Heizlösung ist er jedoch ineffizient – eine Wärmepumpe produziert mit derselben Strommenge drei- bis fünfmal mehr Wärme.
Wie viel Strom verbraucht ein Heizstab?
Typische Heizstäbe haben eine Leistung von 1,5 bis 3 kW. Bei Nutzung von PV-Überschuss verbrauchen sie nur dann Strom, wenn die Anlage mehr produziert als der Haushalt benötigt. Der Jahresverbrauch hängt stark von der PV-Anlage und dem Warmwasserbedarf ab.
Was ist der Unterschied zwischen Heizstab und Wärmepumpe bei PV?
Der Heizstab wandelt 1 kWh Strom in 1 kWh Wärme um (Wirkungsgrad ~100 %). Die Wärmepumpe dagegen erzeugt mit 1 kWh Strom je nach Außentemperatur 3–5 kWh Wärme. Für dieselbe Heizleistung benötigt der Heizstab also drei- bis fünfmal mehr PV-Ertrag.
Welchen Heizstab für PV-Anlage kaufen?
Für die einfache Nutzung von PV-Überschuss reicht ein einfacher Heizstab (200–400 €) mit einem Temperaturregler. Teure Komplettpakete mit Energiemanagementsystem für 2.000–3.000 € sind in den meisten Fällen nicht notwendig – die einfache Lösung funktioniert genauso effektiv.
Kann ich einen Heizstab nachträglich in meine Heizungsanlage einbauen?
Ja, sofern ein Warmwasser- oder Heizungspuffer mit entsprechendem Anschluss vorhanden ist. Der Einbau sollte von einem Fachhandwerker durchgeführt werden. Bei modernen Wärmepumpen mit integriertem Heizstab ist die Nachrüstung oft bereits geplant.

