Heizlastberechnung: Welche Wärmepumpe passt wirklich zu deinem Haus?
Gibt es für jedes Haus eine passende Wärmepumpe? Kurz gesagt: ja. Die Frage ist nur, mit welchem Aufwand. Und genau den findest du mit einer Heizlastberechnung heraus, bevor du viel Geld ausgibst.
Bei mir sollte erst eine Wärmepumpe mit 10 kW rein, geworden ist es eine mit 8 kW. Mit Marco spreche ich darüber, wie du deine Heizlast bestimmst und wann du besser erst dämmst.
Außerdem: Was machst du, wenn die Heizung im Herbst ausfällt? Und welchen Teil der Förderung verlierst du, wenn du wartest, bis sie ganz kaputt ist?
Gibt es für jedes Haus eine passende Wärmepumpe?
Bei der Wärmepumpe kommt diese Frage dauernd. Ich habe Marco gefragt, ob sich jedes Gebäude mit einer Wärmepumpe beheizen lässt. Seine Antwort: Die Frage ist nur, mit welchem Aufwand.
Musst du die Heizkörper stark vergrößern, damit die Wärmepumpe mit niedriger Vorlauftemperatur arbeiten kann, kommen Kosten dazu, und irgendwann wird es wirtschaftlich uninteressant. Deshalb steht am Anfang die Frage: Wie viel Wärme verliert dein Haus?
Was ist eine Heizlastberechnung?
Bei der Heizlastberechnung rechnest du für einen kalten Tag aus, wie viel Wärme dein Haus über Wände, Fenster, Dach und Fußboden verliert. Marco nimmt als Beispiel minus 10 Grad.
Genau diese Wärme muss die Heizung wieder ins Haus bringen. Heißt: Die Heizlast sagt dir, wie groß deine Wärmepumpe sein muss.
Am besten raumweise, denn jeder Raum verliert unterschiedlich viel Wärme. Das brauchst du auch für den hydraulischen Abgleich.
Reicht der Gasverbrauch, um die Wärmepumpe auszulegen?
Ich habe Marco ganz spitz gefragt: Wieso rechnen, wenn ich doch weiß, dass ich zum Beispiel 17.000 kWh Gas im Jahr verbrauche? Als Anhaltspunkt kannst du das nehmen, sagt er. Für die Auslegung reicht es aber nicht.
Warum? Meist ist das Warmwasser mit drin, und der Zähler trennt nicht zwischen Heizen und Wasser. Dazu hat jede Anlage andere Verluste, die eine ist gut eingestellt, die andere schlecht.
10 kW geplant, 8 kW eingebaut: meine Heizlastberechnung
Bei mir sollte damals eine 10-kW-Wärmepumpe eingebaut werden. Ich habe den Zollstock aus der Tasche geholt, alles selbst ausgemessen und in den Heizreport von SHK Info eingetragen. Am Ende wurde es eine Wärmepumpe mit 8 kW.
Kennst du deine Heizlast selbst, gehst du ganz anders ins Gespräch mit dem Handwerksbetrieb.
Heute geht das auch digital: SHK Info hat eine Scanner-App, laut Marco für Handwerker und auch für Privatkunden. Gebraucht werden immer alle Flächen, über die das Haus Wärme an Außenluft oder Erdreich verliert.
Willst du deine Heizlast selbst berechnen? Den Heizreport von SHK Info* habe ich dir verlinkt. Der WärmepumpenCheck ist kostenlos, den HeizreportKOMPLETT gibt es für 149 €, mit dem Code „Sonnefreihaus“ 20 % günstiger.
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Welche Fenster habe ich? Der Test mit der Kerze
Für die Berechnung musst du ungefähr wissen, welche Fenster du hast. Marcos Tipp: Wurden die Fenster mal saniert, stehen die U-Werte oft noch in der Rechnung.
Sonst schau, ob es Holz- oder Kunststofffenster sind und wie sie verglast sind. Das kannst du mit einer Kerze testen: Wie viele Scheiben spiegeln sich?
Erst dämmen? Was die Heizlastberechnung über dein Haus verrät
Der eigentliche Vorteil der Heizlastberechnung: Du kannst die Heizlast mit der Größe deines Hauses vergleichen. 10 kW sind bei einem sehr kleinen Haus etwas ganz anderes als bei einem Haus mit 200 oder 300 m².
Braucht ein kleines Haus 12 kW, ist der Dämmstandard schlecht. Beheizbar ist es trotzdem, aber mit niedriger Vorlauftemperatur werden die Heizkörper dann sehr groß. Passt das Verhältnis nicht, lohnt sich zuerst der Blick auf die Gebäudehülle.
Dämmen heißt nicht automatisch 100.000 € für die Fassade. Die günstigsten Maßnahmen mit spürbarem Effekt sind laut Marco die oberste Geschossdecke und die Kellerdecke. Den Spitzboden kannst du oft selbst dämmen, und die oberste Geschossdecke muss teilweise ohnehin gedämmt werden.
Welche Jahresarbeitszahl ist im Altbau realistisch?
Aus 1 kWh Strom macht eine Wärmepumpe 4 bis 5 kWh Wärme, heißt es oft. Laut Marco erreichst du das nur mit niedrigen Vorlauftemperaturen.
Hast du einen ungedämmten Altbau mit kleinen Heizkörpern und brauchst 65 Grad, läuft die Wärmepumpe übers Jahr nicht mit einer Jahresarbeitszahl von 4. In meinem Altbau waren es 3,6. Bei einem schlecht gedämmten Haus kann es auch nur 3,3 werden.
Je schlechter die Jahresarbeitszahl, desto mehr Strom musst du einkaufen. Für sehr hohe Temperaturen kann laut Marco dann auch Biomasse eine Möglichkeit sein.
Plan die Zukunft deines Hauses mit
So eine Wärmepumpe hält rund 20 Jahre. Weißt du schon, dass du in den nächsten Jahren Fenster tauschst und dämmst, ist jetzt vielleicht noch nicht der richtige Zeitpunkt für sie.
Sonst baust du Wärmepumpe und Heizkörper groß genug für den heutigen Zustand, dämmst in fünf, sechs Jahren, und alles ist überdimensioniert. Bleibt das Haus dauerhaft so, etwa wegen Denkmalschutz, planst du für genau diesen Zustand.
Heizung kaputt im Herbst: Was tun, wenn es schnell gehen muss?
Es ist Ende Oktober, die alte Heizung fällt aus und lässt sich nicht mehr reparieren. Da denkst du nicht über die Kellerdecke nach, du willst nicht frieren.
Marco kennt dafür eine Überbrückungslösung: Ein Anbieter hat ein Gasgerät, das sich schnell einbauen und später umrüsten lässt. Entweder schließt du ein Außengerät an und hast ein bivalentes System, oder die Innenbauteile werden getauscht, und es wird eine Wärmepumpe. Die Anschlüsse bleiben gleich.
Die Alternative: schnell die Heizlast berechnen und direkt die Wärmepumpe. Knapp ist laut Marco eher der Handwerker als die Lieferung, und ein Gasgerät tauscht er schneller.
Gut zu wissen: Laut KfW ist auch eine provisorische Heizung bei einem Heizungsdefekt förderfähig. Denk aber daran: Neue Gas- und Ölheizungen müssen ab 2029 einen steigenden Bioanteil nutzen.
Wärmepumpe Förderung 2026: Wer zu lange wartet, verliert den Bonus
Ich dachte, bei einer komplett kaputten Gasheizung gibt es keine Förderung mehr. Marco hat mich korrigiert: Förderung gibt es weiterhin, aber der Klimageschwindigkeitsbonus fällt weg. Den gibt es nur, wenn ein intaktes System ausgetauscht wird.
Stand Oktober 2026 sieht die Förderung über die KfW (Programm 458) so aus:
Baustein | Stand Oktober 2026 |
Grundförderung | 30 % |
Klimageschwindigkeitsbonus | 16 %, sinkt ab Februar 2027 |
Förderfähige Kosten | bis 28.000 € |
Wer wartet, bis nichts mehr geht, verschenkt also einen Teil der Förderung. Und bei einer Gasheizung gibt es den Bonus nur, wenn sie mindestens 20 Jahre alt ist.
Auch wenn es schnell gehen muss, halt die Reihenfolge ein. Erst unterschreibst du den Vertrag mit dem Fachbetrieb, und zwar mit Förderklausel. Dann stellst du den Antrag bei der KfW. Gebaut wird erst nach der Zusage. Wer einfach loslegt, riskiert die ganze Förderung.
Hydraulischer Abgleich: sparen ohne Heizungstausch
Willst du deine alte Heizung noch ein paar Jahre weiter betreiben, hat Marco einen Tipp: den hydraulischen Abgleich. Dabei wird jeder Heizkörper so eingestellt, dass genau die passende Wassermenge durchfließt.
Ohne Abgleich dreht man oft die Pumpe voll auf, damit auch der letzte Heizkörper warm wird, und manche Räume sind überversorgt. Mit Abgleich kann die Pumpe ihre Leistung reduzieren.
Je nach Haus sparst du so bis zu 15 % Verbrauch, ganz ohne neue Heizung. Mehr dazu findest du in meinem Video zum hydraulischen Abgleich.
Fazit: In drei Schritten zur passenden Wärmepumpe
1. Heizlastberechnung machen. Damit weißt du, welche Wärmepumpe passt und ob deine Heizflächen geeignet sind.
2. Den Aufwand einordnen. Musst du erst dämmen? Reichen deine Heizkörper?
3. Kosten und Förderung auf den Tisch legen und entscheiden. Ist deine Gasheizung erst fünf Jahre alt und hält noch 15 Jahre, sieht die Rechnung ganz anders aus, als wenn du sie ohnehin bald ersetzen musst. Dann ist das Geld vielleicht erst einmal in der Dämmung besser angelegt.
Mein Tipp: Warte nicht, bis die Heizung ausfällt, sondern plan mit Blick auf die nächsten 5, 10, 15 Jahre. Marco kommt übrigens bald zu mir, dann nehmen wir mein neues Haus mit Heizlast und Gebäudehülle auf. Dazu gibt es ein eigenes Video.
Wenn du gerade planst: Kostenlose Checklisten und Leitfäden findest du auf meiner Wissensplattform. Wie du die richtige Größe der Wärmepumpe findest, zeige ich dir in meinem Video zur Dimensionierung.
Häufige Fragen
Kann jedes Haus mit einer Wärmepumpe beheizt werden?
Ja. Die Frage ist nur, mit welchem Aufwand, etwa für größere Heizkörper oder Dämmung. Das zeigt dir die Heizlastberechnung.
Reicht mein Gasverbrauch, um die Wärmepumpe auszulegen?
Als Anhaltspunkt ja, für die Auslegung nicht. Im Verbrauch steckt meist das Warmwasser mit drin, und jede Anlage hat andere Verluste. Besser ist eine raumweise Heizlastberechnung.
Bekomme ich Förderung, wenn meine Heizung schon kaputt ist?
Ja, aber weniger. Die Grundförderung von 30 % gibt es weiterhin, wenn du den Antrag stellst und mit den Arbeiten erst nach der Zusage der KfW beginnst. Der Klimageschwindigkeitsbonus von 16 % gilt nur, wenn eine funktionierende Heizung getauscht wird. Eine Gasheizung muss dafür mindestens 20 Jahre alt sein. Das ist der Stand Oktober 2026, ab Februar 2027 sinkt der Bonus.
Wie viel spart ein hydraulischer Abgleich?
Je nach Haus bis zu 15 % Verbrauch, auch wenn du deine alte Heizung weiter betreibst.
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Sonnige Grüße, Nils





